Wenn das Kleine ganz groß wird

Liebe Seelenfutter-Freunde und -Freundinnen!

Ich freue mich, dass ich mich heute – nach langer Zeit – wieder mit einem Newsletter bei Ihnen melden kann. Die Seelenfutter-Seite war zusammengebrochen, viele Daten waren verschwunden – so kann uns die moderne Technik einen Streich spielen. Nun gibt es einen Neuanfang, ein verändertes Outfit.

Sie haben die Möglichkeit, alle Beiträge zu ergänzen und zu kommentieren – und hoffentlich fällt Ihnen auch das Lesen etwas leichter. Alles, was jetzt noch fehlt, wird nach und nach ergänzt – und die neuen Einträge werden jeweils auf der Startseite angezeigt.

Der Dalai Lama war zu Besuch in Hamburg und wurde wie ein „spiritueller Superstar“ (Der Spiegel) empfangen. Eine Woche lang war das Tennisstadion am Rothenbaum bis zum letzten Platz gefüllt, die Menschen applaudierten begeistert, einige hatten Tränen in den Augen. „Loslassen ist der Weg zu mehr Leichtigkeit und zum Glück“. Was er sagt, ist nicht neu. Und wenn man ihn sieht mit seinem verschmitzten Lächeln, dann glaubt man ihm sofort, dass er sich selbst für nichts Besonderes hält. „Wenn ich über heilende Kräfte verfügte, hätte ich bestimmt längst mein eigenes Knie geheilt, das ständig schmerzt!“ – Er will auch niemanden bekehren.

„Die Quelle des Glücks liegt in uns selbst“, sagt das geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter. Er meditiert täglich viele Stunden, um Zugang zu dieser Quelle zu bekommen. „Wir müssen die Kluft zwischen Arm und Reich verringern, das 21. Jahrhundert zu einem Jahrhundert des Friedens machen!“ – Einfacher geht es kaum!

Als er wieder abreist, wird seine Botschaft in den Medien so zusammengefasst: „Das wichtigste ist, andere Menschen glücklich zu machen, dann werden wir unser eigenes Glück finden!“

So schlicht? – Jesus sagt das auch so einfach: Gott und den Menschen und uns selbst lieben. Das ist es! Die Wahrheit ist immer ganz einfach. Das Große beginnt immer sehr klein.

Vielleicht denken wir viel zu kompliziert, vielleicht machen wir viel zu viele Worte, vielleicht suchen wir das Glück zu sehr in den Äußerlichkeiten. Was hat der Dalai Lama, das moderne, intellektuelle Menschen in unserem Land fasziniert, welche Sehnsucht spricht er an?

Ich spüre die Unruhe in mir, die einfache Wahrheit des Jesus Christus neu zu entdecken und zu leben.

Hörst du den Dompfaff?

Wir standen vor dem Haus, sprachen über Kinder, Eltern und Zukunftspläne – auf einmal sagte Eckart: „Hörst du den Dompfaff?“
Nein, ich hatte keinen Dompfaff gehört, habe nicht gewusst, dass er an seinem weichen, zögerlichen, melancholischen Gesang zu erkennen ist.
Ich hatte gar nicht auf Empfang geschaltet!
Und Eckart stand da und war ganz ergriffen von dem, was er hörte.

Als ich am Abend noch einmal über dieses Erlebnis nachdachte, habe ich mich an eine Geschichte erinnert:
Ein Amerikaner spaziert mit einem Indianer durch New York. Plötzlich zupft ihn der Indianer am Ärmel und sagt: „Hörst du die Grille zirpen?“
„Wie soll ich mitten im Lärm der Stadt eine Grille zirpen hören?“
Tatsächlich fanden sie in der Hecke an der Straße eine Grille.
Sie gingen weiter. Da nahm der Indianer eine Geldmünze aus der Tasche und ließ sie auf die Straße fallen.
Sofort drehte sich der Amerikaner um und sagte: „Da ist Geld auf die Straße gefallen!“
Der Indianer sagte: „Siehst du, die Münze ist kaum lauter als die Grille, aber die hörst du mitten im Lärm der Stadt!“

Was nehmen unsere Ohren wahr?
Das Laute in dieser Welt – oder auch die vielen leisen Töne, die Poesie, das, was der Mensch zwischen seinen Worten sagt, die Schwingungen, die von ihm ausgehen?
Die Tagesnachrichten, die man für uns ausgesucht und aufbereitet hat – oder auch die vielen kleinen Wunder und Begegnungen, die der Tag bereit hält?
Das Negative, von dem es immer genug gibt – oder auch das Wissen um die Größe und Herrlichkeit des Lebens?
Die Außenseite der Dinge (von denen man uns sagt, darauf komme es an) – oder auch das Geheimnis Gottes, das dahinter steckt?
„Hörst du den Dompfaff?“
Diese Frage hat mich nachdenklich gemacht.
Wie aufmerksam gehe ich durch die Welt?
Was nehme ich wahr, wenn ich einem Menschen begegne?
Worauf habe ich meine Antennen ausgerichtet?
Für welche Themen bin ich sensibel und wo höre ich gerne weg?
Für welche Dinge bin ich auf beiden Ohren taub?
Wo stehe ich da und staune wie Eckart?

Dass wir achtsam durchs Leben gehen, wünsche ich uns allen.
Es gibt mehr zu hören, als wir ahnen.

Gelassenheit

Am 12. März war der 400. Geburtstag von Paul Gerhardt, der mit wunderbaren Liedern wie „Geh aus, mein Herz und suche Freud“ oder „Ich singe dir mit Herz und Mund“ im Gesangbuch vertreten ist.

Seine Lieder sind wie eine eiserne Ration. Wer sie singt oder gar auswendig kann, der hat Worte, die tragen, auch wenn ihm das Leben mal die Sprache verschlägt.
Die Lieder von Paul Gerhardt geben Trost und Durchhaltekraft, sprechen von Lebensfreude – auch wenn manches dagegen spricht – sie sprechen vom guten Ende, und dass uns nichts den Mut nehmen kann, wenn Gott an unserer Seite geht.
Paul Gerhardt wusste etwas von der Brüchigkeit des Lebens (1607-1676!!), sie war sein ständiger Begleiter! Er wusste etwas von zerstörten Städten, von Mobbing, von verlorener Liebe, vom Leid und vom Sterben, von „Wegen, die das Herze kränken“ und von „Höhlen, wo der Kummer nagt“.
Das macht ihn so überzeugend. Er weiß, wovon er spricht!

In dieser Passionszeit beschäftige ich mich viel mit dem Lied „Befiehl du deine Wege“.
Da geht es um Loslassen und Gelassenheit.
Wenn das so einfach wäre!

Überlass Gott die Wege, die du gehen musst!
Du kannst nicht immer selbst bestimmen, wie sie aussehen, was daraus wird.
Frag ihn, was er mit dir vorhat.

Überlass Gott die Menschen, die du liebst, die dir wichtig sind, für die du dich verantwortlich weißt. Ja, du kannst ihnen manches geben, aber du kannst sie immer nur ein Stück weit begleiten, mehr geht nicht – dann lieg Gott in den Ohren, dass er sich kümmert, damit du zur Ruhe kommst!
Das gilt besonders für die eigenen Kinder!!
Lass los! Auch die Erwartungen an die Menschen um dich herum (die sehen manches womöglich ganz anders als du!)

Überlass Gott auch das Schwere, das dir den Boden unter den Füßen wegzieht,
was dir Angst macht,
wo du Fehler gemacht hast!

Lass los – und du findest Gelassenheit!

„Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein!“

Ja, wir können Grübeln bis zum Geht-nicht-mehr, was ist und was alles kommen könnte, aber das ändert nichts, ausser dass es uns lähmt und bedrückt, unsere besten Kräfte raubt und sich wie ein Grauschleier auf unsere Tage legt.

Wenn du das Beste gegeben hast, überlass Gott, was daraus wird. Mehr geht nicht!
Beten ist praktizierte Gelassenheit!
Manchmal ist das wie Bungee-Springen. Man fällt ins Bodenlose – und fragt ängstlich: Ist da wirklich einer, der unser Loslassen, unser Fallen auffängt?
Es ist nicht leicht – aber nur so wächst echte Gelassenheit.

Paul Gerhardt hat großen Kummer gehabt, unendlich viel verloren.
Er hat das alles rausgesungen, rausgebetet, er hat geklagt und seinen Gefühlen freien Lauf gelassen. Und irgendwann ist er wieder bei dem guten Gott gelandet. „Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuss gehen kann!“

Paul Gerhardt wusste von einem Geliebten, der uns durchs Leben begleitet und darüber hinaus – daraus hat er seine Gelassenheit und seinen Mut geschöpft.

400 Jahre alt, aber unübertroffen.
Mit seinen Liedern geht der Mensch anders durch die Welt!

Ich wünsche uns allen gute Erfahrungen beim Einüben von Gelassenheit

Uhlenbusch ist überall

Alex ist zehn Jahre alt und kommt seit Jahren mit seinen Eltern nach Uhlenbusch, zum Urlaub auf dem Bauernhof. Dann darf er Trecker fahren, sich dreckig machen und selbst gekochte Marmelade essen, die fast so lecker schmeckt wie Nutella. Sein älterer Bruder bemängelt, dass es keine Skater-Bahn, keine Disse und keine Bräute gibt – total tote Hose eben – aber Alex mag dieses Leben in der Natur, mit Glühwürmchen, Igeln und Bierfallen für Schnecken, wo der Pfefferminztee im Garten wächst. Er vermisst hier nicht einmal „MacDoof“.

Wie wird das Leben im Dorf wahrgenommen, von Jung und Alt, Alteingesessenen und Neubürgern, denen, die aus der Landwirtschaft kommen und denen, die in der Stadt arbeiten? Was bietet der ländliche Raum?
Ulrike Tubbe-Neuberg von der Landwirtschaftskammer Hannover entpuppte sich als Schauspieltalent und zeigte den Landfrauen Rinteln – Hessisch Oldendorf die verschiedenen Facetten des Dorflebens, indem sie in vier verschiedene Rollen schlüpfte.

Die Neubürgerin, die auf Anraten ihres Arztes seit zwei Jahren in Uhlenbusch wohnt, weil sie mit ihrer hartnäckigen Allergie dringend eine „stressfreie Zone“ braucht, findet es schwer, Kontakt zu knüpfen. Die Menschen sind nett, aber in ihren festen „Klüngeln“ zuhause.
Als Alleinstehende, ohne Kinder, gibt es wenig „natürliche“ Berührungspunkte und der Weg über Chor, Sportverein und Blutspenden ist beschwerlich.
Und was heißt schon „kennen“. Die meisten Begegnungen sind eher oberflächlicher Natur. Ein enormes Hindernis ist ihre über ein Meter hohe Zypressenhecke, die sie auf einen Hügel gepflanzt hat. Sie sieht nichts – und sie wird nicht gesehen!

Bürgermeister Heinrich Tegtmeier, seit 31 Jahren im Amt, ist in Uhlenbusch geboren und lebt von morgens bis abends für sein Dorf.
499 Einwohner hat sein Dorf.
Er kennt jeden und er weiß, wer mit wem kann.
Heinrich Tegtmeier ist stolz, dass durch seinen Einsatz ein Kiosk eröffnet werden konnte, der die Grundversorgung im Ort sicherstellt: Apothekenservice, öffentlicher Internetanschluss, Reinigungs-Annahme, Post-Service, Tauschbörse. Wichtig war ihm auch eine Sammelstelle für Laub und Schnittholz.

Und dann ist da noch Christa Evers, 70jährige Bäuerin, die jetzt mit ihrem Heinrich als Altenteilerin lebt. Sie erinnert sich, dass sie in den ersten Ehejahren 10 Personen am Esstisch zu versorgen hatte, während der Ernte auch mehr. Es gab keinen Bo-Forst-Service, alle Lebensmittel kamen aus dem eigenen Garten oder Stall. Wenn Heinrich ihr zum Muttertag 5 Nelken in Asparagus überreichte, das war schon was.
Schwiegertochter Sabine ist Berufsschullehrerin und sieht manches anders. Da braucht es ein weites Herz und viele Gespräche, damit das Miteinander auf dem Hof gelingen kann.
Sabine lässt schon mal fünfe gerade sein, eigentlich gar nicht so schlecht, denkt Christa Evers: „Warum eigentlich immer nur racken im Garten, warum sich nicht mal hinsetzen, genießen, Düfte aufsaugen, den Vögeln zuhören?“
Warum immer so viele Tröge bepflanzen, dass man jeden Abend eine Stunde lang gießen muss und davon Beschwerden im Rücken bekommt? Weniger könnte auch hier manchmal mehr sein. Viel mehr!

Uhlenbusch ist überall. Es gab viel zu lachen für die Rinteln – Hessisch Oldendorfer Landfrauen, aber das Thema hatte Tiefgang, fragte nach der Zukunft und der Lebensqualität des ländlichen Raumes.
Das Schützenhaus in Großenwieden war ein gastlicher Raum für die 75 Landfrauen, die Vorsitzende Anne-Marie Strüve begrüßen konnte.

Das Leben ist uns gut

In der S-Bahn von Minden nach Bückeburg saß ein junger Mann zwei Reihen vor mir und hat geweint, laut geweint und geschluchzt.
Er hätte mein Sohn sein können – wohl deshalb ist mir sein Weinen sehr nahe gegangen.
Enttäuschte Liebe, verfahrenes Leben, zusammenbrechen unter dem, was das Leben uns aufpackt, nicht wissen, wo wir hingehören, Bockmist gebaut haben ….
Es ist ein Weinen in der Welt!

Gestern abend habe ich eine Geschichte von John Kord Lagemann gefunden:

Einmal saß ich bei der Bahnfahrt neben einem jungen Mann, dem sichtlich etwas Schweres auf seinem Herzen lastete. Schließlich rückte er damit heraus, dass er ein entlassener Sträfling und jetzt auf der Fahrt nach Hause sei. Seine Verurteilung hatte Schande über seine Angehörigen gebracht, sie hatten ihn nie im Gefängnis besucht und auch nur ganz selten geschrieben. Er hoffe trotzdem, dass sie ihm verziehen hätten.
Um es ihnen leichter zu machen, hatte er ihnen im Brief vorgeschlagen, sie sollten ihm ein Zeichen geben, an dem er, wenn der Zug an der kleinen Farm vor der Stadt vorbeifuhr, sofort erkennen könne, wie sie zu ihm stünden. Hatten die Seinen ihm verziehen, so sollten sie in den Apfelbaum an der Strecke ein weißes Band anbringen. Wenn sie ihn aber nicht wieder daheim haben wollten, sollten sie gar nichts tun, dann werde er im Zug bleiben und weiterfahren, weit weg. Gott weiß, wohin.
Als der Zug sich seiner Vaterstadt näherte, wurde die Spannung so groß, dass der junge Mann es nicht über sich brachte, aus dem Fenster zu schauen. Ein anderer Fahrgast tauschte den Platz mit ihm und versprach, auf den Apfelbaum zu achten. Gleich darauf legte er dem jungen Sträfling die Hand auf den Arm. „Da ist er“, flüsterte er, und Tränen standen ihm plötzlich in den Augen, „alles in Ordnung. Der ganze Baum ist voller weißer Bänder.“ – „Mir war“, sagte der Mann später, „als hätte ich ein Wunder miterlebt. Und vielleicht war es auch eins“.

Ich hätte dem jungen Mann zwischen Minden und Bückeburg gerne gesagt: Du, auch für dich hängen weiße Bänder im Apfelbaum, es sind, egal, wie verkorkst die Lage ist, immer wieder Neuanfänge möglich.

Und morgen, wenn ich auf den Friedhof gehe, möchte ich wissen, dass die, die uns vorausgegangen sind ins Anderland, mit weißen Bändern empfangen wurden. Sie sind nicht in ein Nichts gefahren, zum großen Aus-und-Vorbei – sie sind in das Land gefahren, wo weiße Bänder an den Bäumen hängen, wo alle Tränen abgewischt werden, wo kein Leid mehr ist, egal, was mensch verbockt, gelitten oder verloren hat.

Und wenn ich Angst habe vor dem, was mich im Leben noch alles erwartet – ich möchte an die weißen Bänder denken, Gott meint es gut mit mir. Ich werde mit Liebe empfangen, egal, wo ich hinkomme!

Und wenn bei mir etwas schiefgegangen ist, wenn Beziehungen nicht so gelingen, wie ich es mir wünsche, wenn mein Gewissen mir einhämmert, dass ich tausendmal schuldig geworden und geblieben bin, dann denke ich an die weißen Bänder.

Wo könnten wir weiße Bänder aufhängen, damit Menschen in unserem Umfeld spüren: Das Leben ist uns gut!!

Ich mache jetzt Karriere

Ob das wirklich stimmt, was ich in einem Magazin gelesen habe: Zwei Drittel der Deutschen möchten Karriere machen, aus sich und ihrem Leben das bestmögliche herausholen, zeigen, was alles in ihnen steckt, Zeit optimieren.

Was ist eigentlich „KARRIERE“, das habe ich mich in letzter Zeit oft gefragt. Frauen und Männer geben sich Mühe, beweisen, dass sie etwas können, arbeiten am Kräfte-Limit. Sie steigen auf, sie werden gelobt – und als Auszeichnung wird ihnen immer noch mehr aufgepackt. Weil sie immer wichtiger und unersetzlicher werden, dürfen sie Überstunden machen, immer mehr Aufgaben übernehmen, immer mehr Verantwortung tragen.
85% der erfolgreichen Manager (und nicht nur die!!) spüren etwas von den Folgen dieses permanenten Leistungsdrucks: sie können nicht mehr ruhig schlafen, haben Kopfschmerzen, Magenprobleme und fühlen sich ausgebrannt.
Karriere?

Kinder oder Karriere, das fragen sich heute viele junge, begabte Frauen mit einer Top-Ausbildung.
Manchmal denke ich: Können Kinder nicht auch eine Karriere sein? Kinder ins Leben hineinlieben, ihnen die Welt deuten, sie stark machen für ihren Weg, ausrüsten mit Mutmachstoff und großen Portionen an Hoffnung und Humor?

Karriere kommt u.a. aus dem Lateinischen. „Carrus“ heißt Karren. Ist Karriere vielleicht: Den Karren ziehen, das Leben bewältigen mit allem, was dazugehört. Zusehen, wie du etwas machst aus deinem Fuder an Zeit und Möglichkeiten. Zusehen, wie du den Menschen um dich herum die Zeit gibst, die sie brauchen, auch dem Feiern, dem Kranksein und Sterben, dem Freundschaft pflanzen, dem Säen und geduldig auf Segen warten.

Heute morgen beim Frauenfrühstück in Söhlde habe ich einen Spruch mit auf den Weg bekommen: „Du bist etwas besonderes, das wollte ich dir schon immer einmal sagen. Als Gott dich schuf, legte er liebevoll ein Stück von sich selbst in dich hinein. Er wollte, dass du einmalig bist!“

Karriere heißt dann für mich: Ich kann das, was in mir steckt an Reichtum und Chancen, ausleben. Es gibt keinen „Begabungsstau“. Ich kann entfalten, was ich ahne vom gelingenden Leben, egal wie, egal wo.
Sogar Hausarbeit ist nichts stupides mehr, sie steht jetzt unter der Überschrift: „Die Prinzessin gestaltet ihr Schloss!“ – Ich habe Zeit Kranke zu besuchen, mit dem Füllfederhalter Briefe zu schreiben, im Garten zu sitzen, die, die mir im Leben wichtig waren, zum Grab zu begleiten, das eigene Gemüse anzubauen, Alte pflegen, im Ehrenamt Verantwortung übrnehmen…ich werde das Maß finden, das für mein Leben stimmig ist, eine feine Antenne für das entwickeln, was jetzt für mich dran ist!

„Carrus“ heißt Karren. Leonardo da Vinci hat mal gesagt: „Binde deinen Karren an einen Stern!“ Das wäre vielleicht die größte Karriere, wenn es uns gelingt, den Karren, den wir zu ziehen haben – und der manchmal verdammt schwer ist – an einen Stern zu binden, zu wissen: Gott hilft mir, meinen Karren zu ziehen!

Was ist eigentlich Karriere? Dies gilt es immer wieder neu zu bedenken.

Er-Lesenes

Bücher sind mir seit jeher gute Freunde und Wegbegleiter. Sie weiten den Horizont, nähren Geist und Gefühl, locken zu neuen Wegen und Lebendigkeit, sind Trostpflaster, indem sie liebevoll sagen „du bist verstanden“. Ich habe viel „Er-Lesenes“ aus guten Büchern.

„Die Verwöhnungsfalle“ von Dr. Albert Wunsch aus dem Kösel-Verlag hat mich in den letzten Wochen beschäftigt, ich habe den Inhalt schon mit etlichen LandFrauen diskutiert.

„Kennt ihr das sicherste Mittel, ein Kind unglücklich zu machen? Gewöhnt es daran, alles zu bekommen, was es sich wünscht, ihm alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen und ihm Aufgaben abzunehmen, die es durchaus allein bewältigen kann.“

Eine Gesellschaft von „Verwöhnlingen“ hat es schwer. Es gilt im Großen, in der Nachbarschaft und in der Familie: „Nehmen ohne zu geben verhindert Zukunft“. Verwöhnte verhalten sich wie die Gäste in der Parabel aus China, wo ein wenig begütertes Hochzeitspaar die Gäste gebeten hatte, Wein mitzubringen und in eine große Amphore am Saaleingang zu gießen. Beim Anstoßen wird dann offenkundig, dass alle Wasser mitgebracht und gehofft hatten, dass es nicht auffalle.

Verwöhnte Menschen sind weder bindungs- noch konfliktbereit. Sie haben Angst vor Herausforderungen, weil sie nicht ausreichend erlebt haben, dass sie etwas leisten können. Und sie fühlen sich nicht in der Lage, mit den Wechselfällen des Lebens und Misserfolgen umzugehen. Man hatte sie wie in einem Treibhaus vor dem „wirklichen Leben“, mit allem, was dazugehört, bewahrt.

Eine verwöhnte Generation wird zu kraftlosen, ängstlichen, leistungsschwachen, unmotivierten und angepassten Ichlingen, die permanent bestrebt sind, an die Pipeline wohligen Versorgtwerdens angenippelt zu werden, ein Recht auf hohe Erwartungen gegenüber Gott und Menschen zu haben.

Gib deinem Kind dieses wunderbare Gefühl, rechtschaffene Erschöpfung zu spüren, zufrieden und stolz auf etwas Geleistetes schauen zu können. Trau ihm etwas zu und pack es nicht in Watte. Gönn ihm emotional-soziales Krafttraining, lock es heraus, dass es gerne mitwirken mag an der Kostbarkeit namens Leben, dass es gerne „aktiver Gesellschafter“ wird in dieser Gesellschaft.

„Homo schlaraffiensis“ gibt es genug in dieser Gesellschaft, ideenlos, frustriert, ohne Mut und Zukunftsperspektive. Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog sprach von einer „mentalen Depression“ als dem größten Problem in Deutschland.

Ich finde, das Buch von Dr. Albert Wunsch muss diskutiert werden. Egal wie!
Wir sollten uns viel „Er-Lesenes“ gönnen, das uns herausfordert, nachdenklich macht, in Frage stellt und nach vorne bringt. Wie auch immer!

Die fünf Wohnungen der Liebe

Mit „simplify your life“ hat Werner „Tiki“ Küstenmacher ein großes Thema vorgegeben: Vereinfachen, entrümpeln, entschleunigen.
Jetzt stellt er uns in „simplify your love“ die „fünf Wohnungen der Liebe“ vor: Turm, Liebeszelt, Gutshof, Finsterwald und Schloss. Diese Bilder haben es in sich!!

Der Turm steht dafür, dass jeder Mensch eine einzigartige Persönlichkeit, ein Original ist. Wer eine gesunde Ich-Stärke, ein Eigenleben und eine lebenswichtige Liebe zu sich selbst hat, der bringt die besten Voraussetzungen für eine gelingende Partnerschaft mit. Denn: wer mit sich selbst nicht im Reinen ist, ein geringes Selbstbewusstsein besitzt, der wird leicht klammern und seinem Partner etwas erwarten, was der beim besten Willen nicht leisten kann. Liebe braucht Nähe und Distanz. Nur wer allein sein kann, ist reif für eine Liebesbeziehung. Gib Deinen Weg, gib Dich selbst nicht auf – und bewahr Dir Deine Frei-Räume.

Das Liebeszelt ist ein zauberhafter Ort, nach dem sich alle Verliebten sehnen. Hier findet sich das Paar. Hier kann es sich entdecken und der Liebe hingeben, sich vergnügen, Einswerden, die Welt um sich herum vergessen. Die Zeit des Verliebtseins, der Zärtlichkeit und Intimität ist etwas ganz besonderes. „Wer verliebt ist, hat Puccini in den Ohren“ – oder: „Wenn die Liebe kommt, haben die Hormone Partyhütchen auf!“

Im Gutshof wird der Alltag gestaltet. Wichtig ist, dass der eine sich auf den anderen verlassen kann. Die Existenz muss gesichert werden. Es geht um Astrengung und Mühe, um Verantwortung für die Kinder und Eltern. Jeder muss seinen Beitrag leisten, damit das Ganze gelingt. Klärungen sind wichtig. Wie setzen wir unsere Vision von gelingendem Leben um – in den kleinen, praktischen Dingen?

Der Finsterwald steht für schwierige Phasen, für allerlei Krisen und Katastrophen in der Partnerschaft. Manchmal kommen Krisen und Katstrophen von außen – weil das Leben uns etwas Schweres, Leidvolles zumutet. Manchmal bricht zwischen den Partnern etwas auf, womit sie nie gerechnet hätten.
Da fallen die Geigen vom Himmel und das, was uns mal verbunden hat, sinkt unter den Gefrierpunkt. Es geht um Eifersucht und Verletzungen, es geht um Missverständnisse und Schuldigwerden, es geht darum, dass man einander enttäuscht und sich mehr oder minder aneinander reibt. Abgründe können sich auftun.

Das Schloss steht für die reife Liebe, eine Liebe, in der für jeden genug Raum ist, die ausstrahlt in die Gesellschaft, die sich ins Universale erstreckt und sogar über die Grenzen der Lebenszeit hinausreichen kann (Liebe stärker als der Tod). Das erhöht gelegene Schloss mit einem fantastischen Panoramablick symbolisiert die königliche Liebe, wie sie z.B. im 1. Korintherbrief beschrieben wird:
„Die Liebe ist langmütig und freundlich. Die Liebe eifert nicht, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit. Sie erträgt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“

Partnerschaft gelingt, wenn sie um diese fünf Wohnorte weiß und sie entsprechend gestaltet. Mir haben diese Bilder viel zum Nachdenken gegeben. Wir mögen immer wieder mal schauen, wie es in unserer Liebe (oder bei lieben Menschen um uns herum) um die fünf Wohnorte bestellt ist.

Von Stutenbissgkeit und Busenfreundinnen

Das war ein Klasse-Vortrag von Antje Balters, Redakteurin und Autorin aus Riede bei Bremen, Jahrgang 1956, Mutter von fünf Kindern.
Mit ihrer erfrischenden und sehr persönlichen Vortragsweise hatte die Referentin schnell die Sympathien der Rintelner Landfrauen gewonnen.

Es gibt Rivalität und Neid unter Frauen, vornehmlich, wenn es um das Aussehen, um den Beruf, um Kinder, Partner und Haushalt geht. Je unsicherer eine Frau ist (vielleicht auch: je überforderter eine Frau ist), desto mehr neigt sie zum vergleichen, zur Bissigkeit, desto abhängiger ist sie vom Urteil der anderen.

Manchmal erwischt es sogar starke Frauen wie Verona Feldbusch und Alice Schwarzer – erlebt in einer Talkshow bei Johannes B. Kerner – dass sie ihre Rivalität und Zickeigkeit nicht verbergen können.
Oft sind es jedoch die kleinen Dinge des Alltags, die „frau“ zu schaffen machen, z.B. wenn die andere eine bessere Figur hat – oder einen stets gepflegten Haushalt, in dem es regelmäßig nach frisch gebackenem Kuchen duftet (und sie dann auch noch sagt: „…also bei mir sieht das heute mal wieder aus!“). Manchmal wird „frau“ schon mal bissig und sagt, dass Frau X aber deutlich zugenommen hat und Frau Y besser keine kniefreien Röcke tragen sollte – und vor allem, dass Frau Z ja auch eine Perle von Mann hat, kein Wunder, dass die alles viel besser schaffen kann.
Die berufstätigen Frauen werfen den „Nur-Hausfrauen“ vor, ein laues Leben zu führen – und umgekehrt gibt es Schelte, wenn Familie nicht mehr als Zukunftswerkstatt und warmes Nest gesehen, sondern für die Karriere geopfert wird.

Es gibt offene und verdeckte Rivalität unter Frauen und die verhindert immer wieder, dass „frau“ sich unbeschwert an dem erfreuen kann, was sie hat, was ihr Leben reich macht und was bei ihr rund läuft, was ihr ganz persönlicher Weg ist! Das kennen wir ja: Wer anfängt, sich mit anderen zu vergleichen, der programmiert damit die Unzufriedenheit vor!

Nun gibt es aber auch das andere: wunderbare Frauenfreundschaften. Da sind Frauen, die sich fördern, ermutigen und stark machen, die kaum Geheimnisse voreinander haben.
Die beste Freundin erkennt, wenn ich munter und kompetent tue, mich in Wirklichkeit aber klein und mickrig fühle. Wenn ich von meinen Aktivitäten berichte, liest sie zwischen den Zeilen von meiner Unruhe, meinem Überfordertsein, meiner Suche nach Anerkennung. Die beste Freundin sagt uns, welche Kleidungsstücke wir besser nicht tragen sollten und hält uns aus, wenn wir übel drauf sind. Sie ist eine gute Adresse für Liebeskummer und Selbstwertprobleme – und sie wird zur entscheidenden Hilfe, wenn schlimme Zeiten zu bestehen sind.
Ist ja klar, dass die Enttäuschung und der Jammer groß ist, wenn eine solche wunderbare Freundschaft zerbrechen sollte – wenn unser Vertrauen verletzt wird, da, wo wir uns durch unsere Offenheit verwundbar gemacht haben.

Antje Balters sprach zum Schluss ihres hervorragenden Vortrages vom „Landhausstil“ einem Synonym für die Sehnsucht nach Angenommensein und Geborgenheit. Wer um seinen Wert weiß – wer sich von Gott geliebt weiß – der muss sich nicht ständig beweisen und mit anderen konkurrieren. Er/Sie bringt beste Voraussetzungen mit, um eine gute Freundin zu sein!

Wer neugierig geworden ist und mehr wissen möchte: Antje Balters „Neidlos glücklich“ im Gerth-Verlag.

Die andern sind das weite Meer

Es gibt ein wunderschönes Liebes-Gedicht von Mascha Kaleko, das mich schon viele Jahre lang begleitet und das ich heute an Sie/Euch weitergeben möchte.

Die andern sind das weite Meer.
Du aber bist der Hafen.
So glaube mir: kannst ruhig schlafen,
ich steure immer wieder her.

Denn all die Stürme, die mich trafen,
sie ließen meine Segel leer.
Die andern sind das bunte Meer,
du aber bist der Hafen.

Du bist der Leuchtturm,
letztes Ziel.
Kannst, Liebster, ruhig schlafen.
Die andern … das ist Wellenspiel,
du aber bist der Hafen.

In allem bunten Leben, das uns umgibt, das uns lockt und herausfordert,
bei all den vielen Menschen, denen wir begegnen und mit denen wir manche Wege gehn, ist es so wichtig, den einen, die wenigen zu haben, wo wir zuhause sind, wo wir nichts auftakeln müssen, wo man uns sogar mit Fehlern, Niederlagen und Schrammen willkommen heißt.
Wo ist unser Hafen, den wir anlaufen können, wenn wir uns verausgabt, wenn wir Federn gelassen haben, wenn wir mit uns selbst und der der Welt nicht im Reinen sind?
Wer sind die Menschen, die Dir Ihre Schulter zum anlehnen und ausweinen anbieten, die Dir gut tun, für die Du nicht nur irgendjemand bist…

In allem mal bunten, mal schweren Leben, das uns umgibt,
bei all den vielen Menschen, denen wir begegnen, die uns gut tun und mit denen wir es nicht leicht haben,
ist es so wichtig, einen besonderen Hafen zu haben: Den Gott, der uns in dieses Leben hineingeliebt hat,
der uns Wege zutraut – und der uns irgendwann mit offenen Armen wieder in Empfang nehmen wird.

Ich wünsche uns allen, dass wir diesen Hafen haben – aus dem wir gut vorbereitet auslaufen können auf die Wege, die wir zu gehen haben,
und dass wir wissen, wo wir hingehören, heute, morgen und übermorgen.