Hinterm Horizont geht’s weiter

Ein Urlaubsfoto. Irgendwo am Strand von Biscaya. Weit weg von zu Haus. Der Horizont ist weit und schön. Ist da das Ende oder kommt da noch was? – Hinter dem, was wie eine Schlusslinie wirkt, geht’s weiter. So hat es Udo Lindenberg wunderbar besungen. Und wie es weitergeht! Erst kommt der große Ozean, dann Amerika und noch viel mehr.

„Hinterm Horizont geht’s weiter!“ Es gibt mehr, viel mehr, als wir sehen und wissen. In jedem Menschen verbirgt sich mehr, als die Außenseite ahnen lässt.Es gibt mehr, als die Weltnachrichten uns derzeit zumuten. Es gibt mehr als Hier und Jetzt. Es gibt mehr als das, was ich momentan lebe.

Das Foto lässt mich sogar denken, dass es auch nach unserem Leben weitergeht. Keiner weiß es, aber die Sehnsucht, dass da noch was kommt, dass Gottes Welt nicht an unserem Horizont endet, diese Sehnsucht wird durch das Foto lebendig!

Dona nobis pacem

Die Sonne strahlt. Gleichzeitig begegnen wir dunklen Geschichten der Menschheit. Hannover wurde im Zweiten Weltkrieg zu fast 90 % zerstört. Ein Relief im Neuen Rathaus zeigt jene bedrückende Wirklichkeit. Erstaunlich schnell wurde die Stadt wieder aufgebaut. Die zerbombte Aegidienkirche ließ man als Ruine stehen, als solle sie sagen: Vergesst niemals, was Krieg anrichtet! Es gibt nur Verlierer und Opfer, Lebensräume werden zerstört, mühsam Aufgebautes liegt in Schutt und Asche, Menschen verlieren Mut und Halt…..Lasst uns immer wieder an die denken, die alles verloren haben.

Hannover ist Partnerstadt von Hiroshima. Dort wurde am 6. August 1945, kurz vor Kriegsende, eine Atombombe abgeworfen. Unfassbar, was da geschehen ist!! Es macht Angst, du kannst heulen und wütend sein, dass heute, am 6. August 2022, mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht wird, die in der Lage sind, unsere Erde auszulöschen. So kluge Menschen – und so viel Dummheit! Eine Glocke aus Hiroshima wird heute in der Aegidienkirche für den Frieden läuten. Dona nobis pacem.

Es gibt eine berührende Geschichte aus Hiroshima. Das Mädchen Sadako war zwei Jahre alt, als die Bombe fiel. 10 Jahre später erkrankte Sadako an Leukämie. Sie hörte von der alten japanischen Legende: „Wer 1000 Origami-Kraniche faltet, hat einen Wunsch frei.“

Sadako faltete mit großem Eifer – verbunden mit dem Wunsch wieder gesund zu werden. Irgendwann änderte sie ihren Wunsch: Frieden möge sein – für alle Menschen, überall auf der Welt. Nach 644 Kranichen, verlor Sadako den Kampf gegen den Krebs. Aber die Geschichte mit den Kranichen lebt weiter. Da ist dieser eine große Wunsch: Frieden möge sein. Dona nobis pacem.

Die 50-Pfennig-Münze

Morgens um fünf Uhr sind sie losgezogen: Sechs, sieben Frauen, die bei uns im Bückeberg Bäume gepflanzt haben: Buchen, Tannen, Eichen …. In einem Handwagen zogen sie Hacken, Spaten und Sensen hinter sich her, Proviant, Regenzeug, einen Topf fürs Feuer. Die heute empfohlenen 10 000 Schritte hatten sie oft schon geschafft, wenn sie an ihrem Arbeitsplatz angekommen waren. „Kulturfrauen“ wurden sie genannt. Es gab viele, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Wäldern beim Wiederaufbau geholfen haben. Meine Mutter war eine von ihnen.

Wenn ich durch den heimischen Wald gehe, erinnern mich viele Bäume an Mutter. Als Kind habe ich in manchen „Schonungen“ gesessen und war dabei, wenn das Mittagessen auf dem offenen Feuer erwärmt wurde. Die „Kulturfrauen“ haben damals nicht gewusst, dass man ihnen 1949 ein Denkmal gesetzt hat. Auf der Vorderseite der 50-Pfennig-Münze. Da ist eine Frau zu sehen, die eine Eiche pflanzt.

Mutter wusste nicht, was ein „Arboretum“ war, aber sie hat in diesen besonderen Garten Mammutbäume gepflanzt, eine japanische Lärche und eine japanische Sicheltanne. So entdecken wir manches Große erst im Nachhinein (oder gar nicht), manche Würdigung erst posthum. Wie gerne wäre ich eine „Geschichten-Entdeckerin“ mit einem Gespür für das, was hinter der Vorderseite liegt.

Gut, dass wir einander haben

Das Leben kann uns Schlimmes zumuten. Wenn nach dem Verlust eines Menschen nichts mehr so ist, wie es war, wenn sich von jetzt auf gleich alles verändert hat, was dann? Wie soll es weitergehen? Was da aufbricht an Gefühlen, an Ohnmacht, ist kaum auszuhalten. Trauernde brauchen jemand, der sie begleitet, der zuhört, der Zeit und Nähe schenkt.

Im letzten Jahr habe ich einen Trauerbegleiter-Kurs besucht. Das war ein Geschenk. Wir haben gelernt, über die Trauer zu sprechen, zuzuhören, Ressourcen zu entdecken, Hoffnungswege und Rituale zu finden, Stimmungen, Ohnmacht und Gefühle auszuhalten, einander nahe zu sein.

„Gut, dass wir einander haben“ ist ein Lied von Manfred Siebald (Jahrgang 1948), das in unseren Kirchengemeinden gerne gesungen wird. „Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander sehn, Sorgen, Freuden, Kräfte teilen und auf einem Wege gehen!“ Wie gut, wenn wir die Kostbarkeit des Miteinanders entdecken!

Ein Abend im Palais

Nach einem langen „Corona-Winterschlaf“ konnten wir endlich wieder sagen: „Ich bin dabei!“ Und zwar beim Abend der LandFrauen am 22.04.2022 im Palais in Bad Eilsen. „Ich bin dabei!“ Mit dabei waren rund 200 LandFrauen aus dem Kreis Schaumburg. Sich endlich wieder austauschen, gemeinsam einen fröhlichen Abend verbringen und zusammen als LandFrauen wieder aufblühen, das fühlte sich gut an.

Für den echten Höhepunkt des Abends sorgte Sabine Asgodom mit ihrem inspirierenden Vortrag zum Thema „Flourishing“. Sabine Asgodom ist eine Powerfrau, wie sie im Buche steht, bekannt als Autorin und Coach, bekannt durch ihre Präsenz im Fernsehen. Die gebürtige Auetalerin erklärte humorvoll und an vielen Beispielen, wie man sich selbst, aber auch andere zum Blühen bringen kann. „Flourishing“ bedeutet Aufblühen.

Sabine Asgodom erklärte, dass es besonders wichtig sei, positive Gefühle zu fördern, da diese für Kreativität sorgen. Dies gelänge beispielsweise, indem man anderen eine Freude bereitet, sich selbst einfach mal wieder etwas Gutes tut, seine eigenen Stärken erkennt und nutzt, sowie sich Freiräume schafft und im Flow bleibt. 

Ein eindrucksvolles Bild war eine Blume, die geknickt nach unten hing – und wohl jede LandFrau entdeckte die Sehnsucht und Einladung zum Aufblühen, zum Entdecken dessen, was möglich ist.

Gönne dich dir selbst

Es war der längste Tag des Jahres. Die LandFrauen begrüßten den Sommer auf einem Weg, der ausgezeichnet wurde als “Qualitätsweg wanderbares Deutschland”.

Auf neun Stationen in einem herrlichen Waldstück gab es Impulse zum Nachdenken und reichlich Gelegenheit, Abstand zu bekommen vom Alltag, den Kopf “frei zu laufen”. 23 LandFrauen machten sich auf den “Weg der Selbstzuwendung” und kamen ins Gespräch über den “inneren Kritiker”, Kraftquellen und Energiekiller, darüber, dass loslassen Gelassenheit schafft. Fröhlich auf der “Himmelsliege” angekommen, störte es nicht, dass ein Teil des Waldes derzeit wegen Forstarbeiten nicht begehbar war. Spontan gönnten sich die Wanderinnen einen Blick auf das wunderbare Auetal und einen Besuch auf dem russischen Friedhof. Von dort gingen viele Gedanken und Gebete zur Ukraine, mit der Bitte um Frieden für die Welt.

“Gönne dich dir selbst” war das Motto der Wanderung. Es geht zurück auf einen 900 Jahre alten Brief des Zisterzienser-Gründers Bernhard von Clairvaux. “Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da”, heißt es darin. Von dieser Leichtigkeit war etwas zu spüren, als die LandFrauen im Sportheim des SC Auetal bei Kaffee und Kuchen zusammen saßen und sich viel zu erzählen hatten.

Ein Licht für den Frieden

Die Nachrichten aus der Ukraine und die Bilder von Krieg, Zerstörung und Flucht haben uns in den letzten Wochen erschüttert. Um ein Zeichen der Solidarität zu setzen, haben die Schaumburger LandFrauen kurzerhand einen Friedensgottesdienst vorbereitet, der am Freitag, den 08. April 2022 in der St. Martini-Kirche Stadthagen stattfand.

Gemeinsam haben wir mit ca. 80 Gästen den Gottesdienst im Gedenken an die Opfer des Krieges in der Ukraine gefeiert und um Frieden in der Ukraine und in der ganzen Welt gebeten. Wir wollten ein Zeichen setzen und angesichts der Gewalt nicht verstummen. Es war ein sehr bewegender und bewegter, interaktiver Gottesdienst, der auch Gelegenheit gab, persönliche Gedanken, Gefühle und Erfahrungen weiterzugeben. Es wurden Lichter für den Frieden entzündet.

Drei LandFrauen haben Einblicke in ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Krieg bzw. der Vertreibung und Flucht gegeben. Musikalisch wurde der Gottesdienst von Caspar Richter an der Orgel begleitet, der u.a. mit seiner musikalischen Interpretation von John Lennons hoffnungsvollem Song “Imagine” begeisterte. Die Friedenshymne beschreibt eine große Sehnsucht nach einer friedlichen, gerechten und liebevollen Welt.

Unterwegs sein ….

Rittergut Stau bei Fischbeck

Bei herrlichem Sonnenschein begaben sich 35 LandFrauen gut gelaunt und erwartungsfroh auf ihre traditionelle Frühjahrswanderung. Vor ihnen lag eine überschaubare Etappe auf dem Pilgerweg von Loccum nach Volkenroda. Sie führte von Krückeberg nach Fischbeck.

Startpunkt war die  helle und freundliche Kirche in Krückeberg. Zur Begrüßung gab es „Pilgersocken“ mit einem kleinen Spruch, gestrickt von Ilsa Tebbe aus Rehren. Unterwegs hatten sich die LandFrauen viel zu erzählen. Das tat gut in diesen unruhigen Zeiten.

Zwischen Hessich Oldendorf und Fischbeck erreichte die Gruppe Gut Stau, ein altes Rittergut, zum ersten Mal erwähnt in 1476 mit einem Herrenhaus im Stil der Weserrenaissance. Die Damen wurden freundlich begrüßt vom Ehepaar Bredemeier, lernten die bewegte Geschichte des Hauses kennen und durften durch den wunderschönen Garten wandeln. Die traumhafte Anlage begeisterte. Schließlich erreichten die Wanderinnen das Stift Fischbeck, das mit seiner über 1000-jährigen Geschichte ein Kleinod darstellt. Wen wundert’s, dass die LandFrauen in der Kirche spontan ein Loblied anstimmten: „Laudate omnes gentes“. Im Garten des Cafe’s am Stift waren die Tische gedeckt und es gab frischen Apfelkuchen zum Abschluss eines rundum gelungenen Nachmittags.

Schenken macht glücklich

„Da schon wieder alles abgesagt werden musste, habe ich meine 25 Frauen vom evangelischen Frauenkreis mit gelben Primeln und einem kleinen Brief bedacht.

Da ich wegen der Primeln an jeder Tür klingeln musste, habe ich die Freude und Dankbarkeit direkt miterlebt und bin sehr gerührt und berührt. Und was habe ich daraus gelernt? Schenken macht wirklich glücklich!“

Das schrieb Freundin Elfriede im Frühjahr 2022, als Corona viele Begegnungen unmöglich machte. Eine wunderbare Idee: Ein Kofferraum voller Primeln!

Staunen

Beim Spaziergang im Steinbruch haben wir diese Muschel gefunden. Sie ist nicht nur schön anzusehen, sie hat eine unglaubliche Geschichte: 140 Millionen Jahre ist sie alt, so sagen es Menschen, die sich mit solchen Funden auskennen.

140 Millionen Jahre, da müssen wir uns jetzt nicht auf einige 1000 Jahre festlegen. Es war die Zeit, als hier bei uns in der Gegend die Dinosaurier gelebt haben. Ihre Fußabdrücke, die mit den drei Zehen, können wir auf unserem Bückeberg anschauen. 140 Millionen Jahre! Mal ehrlich – wer kann das denken? „Milliarden Jahre waren es, bevor es uns gab – und wer weiß, wie viele noch nach uns kommen werden, und ich bin für ein paar Jahre dabei, kann staunen und mitgehalten (frei nach Jörg Zink)!“

Und ganz am Anfang, als es noch nichts gab, was war da? Die Idee von Leben, von Liebe, von Genialität, von Ewigkeit? Gott? Bis heute kommst du aus dem Staunen nicht mehr heraus, wenn du offen bist für die Weite und Schönheit des Lebens. Astronauten berichten, dass der Blick auf die Erde sie für immer verändert hat. Die Erde – eine winzige Kugel, zerbrechlich, unterwegs in einem dunklen Universum, unbeschreiblich schön.

Staunen über das Wunder des Lebens! Im Kleinen und Großen! Die Muschel hat etwas angerührt in mir!