3. Dezember – „Ick bün all dor!“

Schon als kleines Kind habe ich sie geliebt, die Geschichte vom Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel. Der Hase ist überzeugt, dass er der Schnellste ist im Rennen. Natürlich, er mit seinen langen Beinen. Er ist klar im Vorteil. Aber der clevere kleine Igel belehrt ihn mit seiner Frau eines Besseren: Er (oder sie) ruft dem Hasen, dem bei etlichen Revanche-Rennen schon die Zunge aus dem Hals hängt, immer wieder vom Ende des Ackers entgegen: „Ick bün all dor!“

Was mir die wichtigste Kraftquelle im Leben ist, das möchte ich einmal so beschreiben: Ich vertraue auf einen Gott, der uns auf allen Wegen, die wir zu gehen haben, von vorn entgegen ruft: „Ick bün all dor!“ – Wo wir auch hinkommen, er ist längst da! Vor welcher Aufgabe wir gerade stehen: „Ick bün all dor!“

Und wenn etwas passiert, das alles auf den Kopf stellt, wenn wir nicht wissen, wie wir da durchkommen sollen: „Ick bün all dor!“ Auch vorgestern, als wir am Grab standen: „Ick bün all dor!“ Das empfinde ich als meinen innerer Reichtum, dass ich Gott in der Nähe weiß, der in allem, was kommt, schon längst da ist!

Jan van Lingen textet in einem Lied: „Du bist da, du bist da am Anfang der Zeit, am Grund aller Fragen bist du!“ („Freitöne“, Seite 91)

2. Dezember – In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst

In jedem Jahr schreibt die Vorsitzende des Niedersächsischen LandFrauenverbandes einen Weihnachtsbrief. Gern möchte ich ihn in einer leicht gekürzten Fassung weitergeben:

„In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst. Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entzünden.“ Augustinus

Liebe LandFrauen, unsere Zeit ist von schweren Krisen geschüttelt, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht erlebt haben. Die Zukunft liegt ungewiss vor uns. Wir sehnen uns nach einem Licht in der Dunkelheit. Der Ukrainekrieg, die Energiekrise, der Klimawandel, Umweltkatastrophen, die Inflation, die Pandemie und die Zukunft der Landwirtschaft beschäftigen uns. Wir wissen nicht, was auf uns zukommt, und das bereitet vielen Angst und Sorge. Wie können wir damit umgehen?

Klar ist: Die Zukunft bedeutet für uns alle ein Umdenken. Hören wir auf, die Schuld auf andere zu schieben und uns nur auf uns selbst zu konzentrieren. Lassen wir ab von zu viel Bedenkenträgerei und packen es an! Damit wir uns gemeinsam den Herausforderungen stellen können, suchen wir Menschen, die sich für demokratische Werte einsetzen, Haltung zeigen, ein respektvolles Miteinander pflegen, Solidarität leben, Mut haben und soziale Verantwortung und persönliches Engagement in den Vordergrund stellen. Wir brauchen Frauen, die für das Landleben brennen und die sich, jede mit ihren Stärken, mutig für die Belange der Frauen und Familien in den ländlichen Regionen einsetzen mögen.

Nichts brennt von allein und damit aus einer kleinen Flamme ein Feuerwerk wird, braucht es besonderen Zündstoff. Deswegen wollen wir im nächsten Jahr unser Ehrenamt, das die Basis unserer Arbeit ist, für die Zukunft besonders unterstützen und stärken. Machen Sie mit! …….

Was die Zukunft auch bringt, machen Sie bitte weiter so, brennen Sie und seien Sie so ein Licht in der Dunkelheit! Ihnen allen wünsche ich eine schöne und friedliche Weihnachtszeit mit all Ihren Lieben.

Herzlichst, Ihre Elisabeth Brunkhorst

1. Dezember – Eine Diät für das Gehirn

Au weia, wieder etwas Neues! Wie viele Diäten habe ich schon kennengelernt. Aber dieser Titel macht mich neugierig: Ja, mein Gehirn ist überfüttert mit Informationen, Eindrücken, Impulsen, Bildern, Reizen, Begegnungen und Gedanken. „Wegen Überfüllung geschlossen“ müsste es zu manchen Zeiten senden!! Eine Diät könnte ihm gut tun.

Melanie Wolfers, eine liebenswerte, kluge und bodenständige Theologin und Autorin aus Wien, bietet dazu einen Podcast an (www.melaniewolfers.de). Sie spricht von der mentalen Erschöpfung vieler Menschen, von einer „Zuvielness“ im Gehirn. Was lasse ich an mich heran? Was lasse ich nicht an mich heran? Wie klingen Begegnungen in mir nach: fühle ich mich danach angeregt, mobilisiert und inspiriert oder „ausgelutscht“ und niedergedrückt? Bauen sie mich auf oder ziehen sie mich nach unten?

Melanie Wolfers spricht von einem „Bodyguard“ für die Sinne, der uns achtsam auswählen lässt, was und wieviel wir lesen, hören und sehen. Sie empfiehlt Zeiten der Stille, in denen das Gehirn entspannen kann. Das hat mit Selbstachtung zu tun!

Auch diese Podcast-Titel sind hörenswert: „Dich unglücklich denken – so gelingt es dir garantiert“ – „Perfektionismus schadet dir – so wirst du ihn los“ und in der Adventszeit „Was für eine schöne Bescherung – was macht gelungenes Schenken aus?“

Und hier noch ein Buchtitel, der in mir ganz viel in Bewegung gesetzt hat, den ich mit großem Gewinn gelesen habe.

30. November – …und ist doch rund und schön

Foto: Pixabay

Ich schaue in den Himmel und ahne die Weite des Universums. Über 100 Millionen Galaxien soll es geben. Du liebe Zeit! Wer kann sich das vorstellen? Da kannst du nur staunen!

Der Mond ist heute nur als Sichel zu sehen. Wie von selbst kommt mir das berühmte Abendlied von Matthias Claudius in den Sinn. „Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn.“

„Wei unsre Augen sie nicht sehn!“ Was weiß ich denn schon von einem Menschen? Ich sehe immer nur einen klitzekleinen Ausschnitt. Was weiß ich von den vielen Geschichten, die jemand im Gepäck hat, von den kleinen und großen Tragödien, die er erlebt hat, von dem Glanz und der Sehnsucht in ihm?

Wie oft liege ich mit den Halbheiten in meinem eigenen Leben im Clinch! Wie oft verstehe ich weder Gott noch die Welt! Tausend Fragen bleiben ohne Antwort. Trotz Google. Bis alle Geheimnisse gelüftet und alle Fragen beantwortet werden, möchte ich mir noch oft den Mond anschauen und singen: „Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön!“ Ist das die Tür zur Weisheit?

Noch etwas zum Schmunzeln aus dem großen Sprüchewald, diesmal bei „DankeDir“: „An alle Menschen, die behaupten, sie wüssten, wie der Hase läuft: Er hoppelt!“

29. November 2022 – Deine Hand

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Herbert Grönemeyer lädt ein zum Wir! In seinem neuesten Lied singt er von Hoffnung, die gerade schwer zu finden ist und beschreibt damit genau das, was viele empfinden. Der Einzelne ist überfordert! Und nun? Im Refrain heißt es: „Deine Hand gibt mir den Halt, den ich so dringend brauch!“

Das Wir ist stärker als das Ich. Gemeinsam suchen, warten und sehnen, tragen, schaffen und trauern ist immer besser als allein. Manche Worte können wir uns selbst nicht sagen. Manche Wärme können wir uns selbst nicht geben. Manche Stütze können wir uns selbst nicht sein. Wir brauchen einander, in den kleinen Lebensräumen und als Weltgemeinschaft. Ob wir das mit Herbert Grönemeyer ganz neu entdecken werden – mit einem Lied, das den Nerv unserer Zeit berührt?

„Deine Hand gibt mir den Halt, den ich so dringend brauch!“ – Ich mag das gerne noch weiter denken. Da ist die schützende und segnende Hand, die Gott über unsere Welt hält.

28. November 2022 – Welcome

„Welcome“, das ist ein Wort, das wir bei unserem Besuch in Schweden auffallend oft gehört haben. Wir sind willkommen. Menschen sprechen uns an, signalisieren: „Schön, dass ihr da seid!“ In der Kirche von Johannelund war die Begrüßung besonders herzlich.

Willkommen! Wie schön, wenn wir das einem Menschen vermitteln! Wenn es dir gut tut, dann komm! – Bei mir findest du ein offenes Ohr und ein offenes Herz, einen Tee und eine warme Stube. – Wie wertvoll, wenn wir einen Platz haben im Haus und im Leben eines Menschen! Wenn wir jemand haben, zu dem wir kommen dürfen, wie wir sind, von dem wir aber anders wieder weggehen: freier, leichter und froher.

Menschen, die sich über spontane Besuche freuen, sind ein Geschenk! Wie viele gute Gespräche habe ich schon an Küchentischen gehabt. Ohne großen Aufwand. Ungeplant, herzlich und ehrlich! „Willkommen“, sagt die Laterne vor der Haustür. Wenn es dir gut tut, dann komm!

1. Advent 2022 – Zeit für Überraschungen

Was wäre das Leben ohne Überraschungen! Ich kann mich riesig freuen, wenn sich jemand etwas einfallen lässt, was mein Herz zum Klingen bringt. Das hebt die Stimmung, weckt Lebensgeister und taucht den Tag in ein anderes Licht. Überraschungen tun Sender und Empfänger in gleicher Weise gut!!!

Gott überrascht uns damit, dass er Mensch wird. Der unermessliche Große kommt klein. Wie soll das gehen? Er überrascht Menschen mit seiner inkonsequenten Liebe. Du hast etwas vergeigt – und bist trotzdem nicht unten durch! Wo gibt es denn sowas?

Ich habe mir für die Adventszeit 2022 etwas vorgenommen: Jeden Tag möchte ich einen Menschen überraschen – mit etwas, woran er im Traum nicht gedacht hatte! Das muss nichts Großes sein! Wär doch schön, wenn unter uns etwas in Bewegung kommt und wir spüren, dass sogar diese unruhige Zeit, in der wir leben, Gutes für uns bereithält! Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Du bist immer für eine Überraschung gut, menschenfreundlicher Gott. Ich bin gespannt, wo du mir heute ein Licht aufgehen lässt, wie du mir Mut machst, wenn mich die Nachrichten dieser Tage nach unten ziehen. Ich bin gespannt, wie du mir eine Einsicht zufliegen lässt, durch welchen Menschen du mir Hilfe schickst.

Leben.Endlich.

Clubsessel und Leuchter sorgten für eine Stimmung, die dem Abend angemessen war. Pastorin Annette Behnken, vielen bekannt als Sprecherin beim „Wort zum Sonntag“, war zu Gast in der Sülbecker Kirche. Im Mittelpunkt standen Gedanken zum Leben an der Grenze. Das Leben ist ein Geschenk, unverfügbar. Das ist ein Gedanke, mit dem Menschen, die sich als „Macher“ sehen, die immer alles im Griff haben wollen, nur bedingt überein sind.

Bei allem Aufgehobensein bei Gott kennen Christen auch die „dunkle Nacht der Seele“ und „Wüstenerfahrungen“. Sehr persönlich sprach Annette Behnken von der schmerzhaften Trauer um ihre kleine Tochter, einer Trauer, die in Wellen kommt, wie Wehen.

„Verachte das Halbe nicht, weil das Ganze nicht möglich ist. Verachte das Unvollkommene nicht, weil das Vollkommene nicht möglich ist!“ – Dieser Gedanke befreit vom Druck, dass immer alles gelingen soll. Wie erleichternd! Die meisten Ehen gelingen halb, Glück ist begrenzt und Leben ist endlich. Ja! – Mit dieser Perspektive bleiben wir offen für Momente intensiven Lebens.

Eine lebendige Kirche

Bei der Visitation fragte der Superintendent: „Was ist Ihr Traum von Kirche?“ Ich gebe die Frage gerne an Sie/Euch weiter. Wie wünscht ihr euch die Kirche der Zukunft. Mir fiel spontan die freundliche Kirche in Fuhlen ein. An der Wand hängen Portraits von Menschen, die das Leben in der Gemeinde gestalten. Portraits von Menschen, die gerne dabei sind: Hier und Heute. Ich träume von einer Kirche, in der ich geborgen bin mit allem, was ich mitbringe, in der Menschen mir helfen, die Zumutung auszuhalten, die das Leben sein kann.

Ich träume von einer Kirche, über deren Türen und Menschen ein dickes „WELCOME“ steht. Sie sind offen für Fragen und Zweifel, für unterschiedliche Sichtweisen und Lebensentwürfe. In ihrer Mitte finde ich den, der Anfänger, Liebhaber und Vollender allen Lebens ist. Hier gibt es eine Wärmestube für alle, denen es kalt geworden ist in der Wohnung oder im Herzen. Es gibt Tee, Musik und Geschichten, die wohltun. Wir singen alte und neue Lieder, sind einander und Gott nah und finden uns nicht ab mit dem, was um uns herum im Argen liegt.

Ich träume von einer Kirche, die mit Gottes Möglichkeiten rechnet, von der Konfirmanden sagen: „Krass! – Da mache ich mit!“

Schau an der schönen Gärten Zier

Jeden Tag fahre ich in der Nachbarschaft an einem reich geschmückten Anhänger vorbei und freue mich über das bunte Bild, über Kürbisse, Gräser, Blumen, Äpfel und allerlei schöne Dinge. Da hat jemand seiner Dankbarkeit eine Gestalt gegeben.

Wir werden erinnert an all das Gute, das auch in diesem Jahr in den Gärten und auf den Äckern gewachsen ist. An all das Gute, das unser Leben reich macht!

Das Gute sehen ist eine Begabung. An manchen Tagen könnte man mir George Clooney auf die Gartenbank setzen – und ich würde ihn glatt übersehen, vor lauter Hillernheit, bei allem, was da im Kopf herumschwirrt. Das wär doch schade!!