Mini-Schritte

Papa war Zimmermann. Mit 40 Jahren hatte er einen schlimmen Unfall. Beim Aufmaß mit dem Architekten war er vom Dachboden gefallen und seitdem gehbehindert.

Nach langen Krankenhausaufenthalten und inneren Kämpfen hatte er sich mit seinem Handicap arrangiert. Seinen Beruf konnte er nicht mehr ausüben. Das tat weh. Die ganze Familie hat gelitten.

Papa wurde zu einem Meister der kleinen Schritte, konnte mit wenig Krafteinsatz Großes bewegen und erfand kleine und große Hilfsgeräte, um diverse Arbeiten bewältigen zu können. Die „Hebelgesetze“ habe ich durch ihn kennengelernt.

Mich hat beeindruckt, was er durch seine Beharrlichkeit alles geschafft hat, dass er immer dran geblieben ist. „In der Ruhe liegt die Kraft“, so habe ich ihn erlebt. Ob das ein Weg ist, in der Welt etwas zu verändern? Viele Menschen tun das Kleine, das Wenige, das ihnen möglich ist!

Gerne möchte ich dafür werben, dass wir uns Geschichten erzählen von dem, was Menschen mit „Mini-Schritten“ erreicht haben!

Hallo, hier spricht dein Einkaufskorb

Auf dem Wochenmarkt ist der Korb schnell gefüllt: 2 Brote, 2,5 Kilo Äpfel, 1 Flasche Blaubeer-Secco, Himbeer-Balsamico, Fisch, Geflügel, Holsteiner Schinken und ein paar griechische Delikatessen.

Nach 300 Metern mit leichter Steigung werden die 6 Kilo Inhalt immer schwerer. Sogar die Luft wird knapper, dabei bin ich doch noch ganz gut beieinander!

Am Auto angekommen, fällt mir ein, dass ich in der Buchhandlung noch zwei Trauerkarten besorgen wollte. Also zurück in die Stadt, Karten aussuchen und wieder zum Parkplatz. Seltsam: Ohne Korb geht es sich viel leichter, schwungvoll, wie von selbst.

Ob mir diese kleine Episode sagen möchte, dass es ein Unterschied ist, mit sechs Kilo mehr oder weniger unterwegs zu sein? Ach, wahrscheinlich habe ich das mal wieder über-interpretiert!

Sonnenglas (c)

Die Sonne schickt jeden Tag kostenlose Energie zur Erde! Ein Mega-Vielfaches von dem, was Menschen brauchen, eine unerschöpfliche Ressource. Weltweit forschen und experimentieren kluge Frauen und Männer, damit diese Energie mehr als bisher genutzt werden kann.

Eine innovative und charmante Idee kommt aus Südafrika. Dort wurde das „Sonnenglas“ entwickelt. Solarzellen sammeln und speichern Sonnenlicht, das dann bei Bedarf genutzt werden kann. Einfach einen magnetischen Kippschalter umlegen und die LEDs zum Leuchten bringen. 10 Minuten Ladung reichen für eine Leuchtdauer von 10 Stunden!!

Das Licht ist warm und angenehm. Je nach Jahreszeit, Anlass und Stimmung kann das Glas dekoriert werden. Die Helligkeit reicht sogar für kleine Leseeinheiten. Und was besonders wertvoll ist: 65 zuvor arbeitslose Menschen in den Townships von Johannesburg sind an der Herstellung und dem Vertrieb des Glases beteiligt.

So steht das „Sonnenglas“ dafür, die Welt zu einem helleren Ort zu machen.

www.sonnenglas.net

Doktor Wald

Am 21. März ist der Internationale Tag des Waldes. Das Anliegen ist, an die enorme Bedeutung des Waldes für die Erholung von Natur und Gesellschaft zu erinnern. Allein in Deutschland entlasten Wälder die Atmosphäre jährlich um 50 Millionen Tonnen CO2.

Förster Helmut Dagenbach aus Süddeutschland hat 1986 in einem Gedicht den Wald als großen Gesundmacher beschrieben. Er schenkt uns viel Gutes – braucht aber momentan unsere Hilfe, damit er sich selbst wieder erholen kann.

Wenn ich an Kopfweh leide und Neurosen,
mich unverstanden fühle oder alt,
und mich die holden Musen nicht liebkosen,
dann konsultiere ich den Doktor Wald.

Er ist mein Augenarzt und mein Psychiater,
mein Orthopäde und mein Internist.
Er hilft mir sicher über jeden Kater,
ob er von Kummer oder Cognac ist.

Er hält nicht viel von Pülverchen und Pille,
doch umso mehr von Luft und Sonnenschein.
Und kaum umfängt mich angenehme Stille,
raunt er mir zu: „Nun atme mal tief ein!“

Ist seine Praxis oft auch überlaufen,
in seiner Obhut läuft man sich gesund.
Und Kreislaufkranke, die noch heute schnaufen,
sind morgen ohne klinischen Befund.

Er bringt uns immer wieder auf die Beine,
das Seelische ins Gleichgewicht,
verhindert Fettansatz und Gallensteine.
nur – Hausbesuche macht er leider nicht.

(Foto: Pixabay)

Auf die Knie gehen

Frühling liegt in der Luft. Die Natur beendet ihren Winterschlaf. Es ist kaum zu fassen, was die Sonne jetzt alles wachküsst – in uns und um uns herum. Sogar der Maulwurf hat’s gemerkt: Auf geht’s!

Ich gehe auf die Knie, um die Fugen im Basaltpflaster von Vogelmiere, Gänseblümchen und Co. zu befreien und um die letzten Laubreste unter Büschen und Bäumen wegzufegen. Die Haltung schont den Rücken, hinterlässt aber großflächige Grasflecken am Knie. Jede Hausfrau weiß: Die sind hartnäckig! Aus Oma’s Trickkiste kenne ich: Gallseife, Butter, frisch gepressten Zitronensaft, Zucker mit Wasser zu Brei verrühren. Der Erfolg ist nicht garantiert! Mit Pre-Wash auch nicht.

So what! Ab heute sage ich: Macht nichts! Die Firma Gucci hat eine neue Kreation herausgegeben. Eine Latzhose aus Bio-Baumwolle mit bleibenden Grasflecken vor dem Knie und auf den Oberschenkeln. Ich stelle mir den Käufer vor als jemand, der zeigen möchte, dass er seine Liebe zur Natur neu entdeckt hat. Urban Gardening! Er möchte zeigen, dass er ein kerniger Bursche ist!

Ich freue mich, dass meine Latzhose mit Grasflecken für mich ab heute 980 Euro wert ist. Sie haben sich nicht verlesen! Und alle, die den Gucci-Style lieben: Kommt, kommt in Scharen, in meinem Garten bekommt ihr die Flecken gratis.

Vielleicht müsste der eine oder andere öfter mal auf die Knie gehen, um die Bodenhaftung nicht zu verlieren!

Lichtblick am Dienstag

Sie überraschen mich immer wieder mit ihrer Kreativität. LandFrauen aus dem Verein Rehren-Idensen (Kreis Schaumburg) bieten jeden Dienstag in dieser verrückten Zeit einen Lichtblick an. Das ist preisverdächtig!!

Über 100 Frauen aus dem Verein (und einige Freundinnen, Interessierte etc.) haben sich in einer internen WhatsApp-Gruppe angemeldet. Einmal in der Woche gibt es einen Beitrag: Rezepte, Lieder, Bastelideen, Fotos, Hinweise auf Ausflugsziele und Veranstaltungen, etwas zum Schmunzeln und Besinnen.

Annette Blume, die Vorsitzende des Vereins, hat für das innovative Projekt geworben, das bis zum Juli des Jahres, zum 70-jährigen Vereinsjubiläum, laufen und hoffentlich viel Freude bereiten wird. Gleich der erste Beitrag war ein Genuss. Ein kleiner Film zeigte Impressionen aus der winterlichen Heimat: vertraute Bilder aus den Orten, von Gärten, Höfen und Terrassen. Eine fröhliche Schlittenfahrt gab es zu sehen, bei der vier Schlitten von einem Traktor gezogen wurden (wie früher!). Stimmungsvolle Fotos zeigten Vögel am Futterhaus und „Schnee-Engel“. Und dann waren da noch zwei Flaschen Sekt, im Schnee gekühlt – vielleicht als Einladung: Herzlich willkommen. So, wie LandFrauen eben sind!

Frauen zwischen 19 und weit über 80 haben sich angemeldet. Bestimmt kommen noch viele (auch Nicht-LandFrauen) dazu, die merken: Hier steckt viel Liebe drin, viel Lebenskompetenz und Kreativität. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Dienstag! Ihr seid spitze!

Mikro-Abenteuer

NDR – Radio Niedersachsen. Die Zuhörer werden eingeladen, sich „Mikro-Abenteuer“ zu suchen. Spannend! Die Idee geht zurück auf den Hamburger Motivationstrainer Christo Förster. „Es muss nicht die Expedition zum Himalaja sein“, hat er gesagt. Das beruhigt mich schon mal. Selbst wenn Boris Herrmann mich persönlich eingeladen hätte, undercover für ihn in der Kajüte zu kochen, die Weltumseglung wäre auch nichts für mich. Ich bin ein Schisser.

Die Mikro-Abenteuer vom NDR sind kleiner gedacht, wie der Name sagt. Also überlege ich beim Vorbereiten des Mittagessens, was sich in den Schatzkammern meines Inneren verbirgt. Als erstes probiere ich das Rezept vom Blitzbrot aus, das mir eine Freundin empfohlen hat. Es gelingt und schmeckt. Die Abenteuerin verlangt nach mehr. Nach monatelanger Aufschieberei durchforste ich die vier großen Truhen unter der Eckbank. Was da alles zum Vorschein kommt, ist wahrhaft abenteuerlich! Ich rufe jemanden an, den ich noch nie angerufen haben – und löse großes Erstaunen und große Freude aus!

Nach diesen Erfolgserlebnissen werde ich mutig: Ich könnte die Nachbarin mit Glühwein überraschen, die schon zwei Stunden mit Schneeschieben beschäftigt ist. Und: ich könnte meinen Mann bitten, mir die Haare zuschneiden, weil ich nach knapp 3 friseurlosen Monaten nicht mehr unter Menschen gehen mag. Sagen Sie selbst: Mehr Abenteuer geht nicht.

Der Lockdown mutet uns vieles zu! – Aber das mit den Mikro-Abenteuern gefällt mir!

Regenwetter

Wochenmarkt in Bückeburg. Mit zwei gut gefüllten Taschen und einem Schirm stehe ich am Stand meines Lieblings-Obstbauern und lasse mir den kleinen „Vornhäger“ abwiegen. Es regnet in Strömen! Ist ja klar, das Wetter bestimmt an diesem Vormittag die Markt-Gespräche.

Ein sympathischer Mann steht neben mir – mit 2 Meter Abstand und Maske. Er ordert die Äpfel seiner Wahl und sagt ohne Vorankündigung einen goldenen Satz: „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freuen würde, regnet es auch!“ Karl Valentin, dem Münchener Original, war diese Weisheit seinerzeit über die Lippen gekommen.

Die Stimmung wandelt sich. Wir lachen und erklären den Regen zum Freund! Was soll’s! Wir können ihn nicht abstellen. Alles Mäkeln, Motzen und Trübsal blasen ändert nichts. Manches musst du einfach hinnehmen, wie es ist. Was wir verändern können, ist unsere Einstellung zu dem, was ist. Unser inneres Wetter sozusagen. Das bietet eine Menge Spielraum.

Mit nunmehr drei gut gefüllten Taschen und einem Regenschirm war ich etwas gehandicapt. Schade! Mit dem Stimmungsaufheller am Obststand hätte ich gerne einen Kaffee getrunken und geplaudert – 50 m vom Bäcker entfernt.

Neujahrsgebet aus dem Jahre 1883

Herr, setze dem Überfluss Grenzen und lass die Grenzen überflüssig sein.

Lasse die Leute kein falsches Geld machen, aber auch das Geld keine falschen Leute.

Nimm den Ehefrauen das letzte Wort und erinnere die Ehemänner an ihr erstes.

Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit und der Wahrheit mehr Freunde.

Bessere solche Beamte, Geschäfts- und Arbeitsleute, die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.

Gib den Regierenden ein besseres Deutsch und den Deutschen eine bessere Regierung.

Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen, aber nicht sofort.

Was Hänschen nicht lernt ….

Doch, der Hans kann eine Menge dazulernen. Auch mit 60, 70, 80. Er kann offen sein für etwas Neues, Gewohnheiten ändern, neue Menschen kennenlernen.

Über 100 Milliarden Nervenzellen in unserem Gehirn ist einiges zuzutrauen. Mundharmonika spielen, den „herabschauenden Hund“ beim Yoga entdecken oder im Garten eine Kräuterspirale anlegen.

Eine 80-jährige hat den ersten Fallschirmsprung ihres Lebens gewagt und genossen. Ich habe Freude daran, mich an Podcasts und WhatsApp heranzuwagen.

Dem Hans stehen viele Türen offen. Und es hält ihn jung, wenn er neugierig bleibt auf alles, was das Leben für ihn bereit hält. Schreiben Sie doch mal im Gästebuch, welches ihre Neu-Entdeckungen in 2020 waren.