Das Jahr der Rücktritte

Da kann man/frau schon nachdenklich werden: Margot Käßmann, Roland Koch, Horst Köhler, Maria Jepsen, Ole von Beust …… sie alle sind in diesem Jahr von einem Spitzenamt zurückgetreten.

 

Die Gründe sind unterschiedlich:

Eine übernimmt die Verantwortung für einen Fehler, möchte glaubwürdig, authentisch ihren Weg gehen, einer ist amtsmüde oder möchte noch einmal etwas Neues beginnen, einer vermisst den Respekt gegenüber seinem Amt… wir wissen nicht, ob es hinter den genannten Gründen nicht immer noch ganz andere gibt!

 

Das Spitzenpersonal kommt uns abhanden. Auch starke Persönlichkeiten haben eine dünne Haut, reagieren auf Gegenwind, sind nicht immun gegen Kritik und Häme – sind es leid, ständig von allen beobachtet und beurteilt zu werden, stoßen an Grenzen, schmeißen hin – trotz der großen Verantwortung, in die sie gestellt waren.

 

Was ist los im Lande? Nicht nur ganz oben? Ist es ein neuer Trend, die Segel zu streichen, sich nicht behandeln zu lassen, sondern zu handeln?

Wenn immer mehr sagen ‚Macht euren Kram  alleine‘, ‚ihr könnt mich mal‘,  als Ehrenamtlicher im Verein, in den Familien, in den Kirchen, in den Firmenleitungen, als Ehepartner … was dann?

 

Wird zu viel geschimpft über die, die Verantwortung tragen – werden sie zu oft allein gelassen, zu wenig anerkannt und gelobt?

Ist der Druck zu groß – der von außen, oder der, den sie sich selber machen?

Glaubwürdig möchten sie sein….

Das klingt gut , verdient Respekt und Hochachtung!

 

Und gleichzeitig sieht die Wirklichkeit so aus:  Wir Menschen machen Fehler, als Mutter, Arzt, Lehrer, Handwerker, Bischöfin, Politiker oder Manager–

Wir sind empfindlich, unsere innere und äußere Kraft hat Grenzen,

unsere Sichtweise ist nicht die einzig mögliche.

 

Letztlich sind wir alle zu klein für die Wahrheit, für die Liebe, für die Gerechtigkeit, für den Frieden, für das Leben.

In der Bibel begegnen wir Menschen, die im großen Dienst standen und im idealistischen Sinne nicht glaubwürdig waren. Mose, David, Elia, Jona, Paulus, Petrus … und wie sie alle heißen.

Es scheint, als würde Gott uns mit unserer Unvollkommenheit, mit unseren Halbheiten gut gebrauchen wollen, kleine und große Ämter zutrauen.

‚Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig‘. Brauchen wir in unserem Land (in den Medien und im Privaten) eine neue Kultur, mit eigenen und fremden ‚Unvollkommenheiten‘ umzugehen, in denen trotz aller Defizite viel Segen fließen kann?

Ein lieber Freund sagte: ‚Es gibt Situationen, da musst du das eigene Vermögen und Unvermögen, die eigene Empfindlichkeit zurücknehmen – damit das Ganze voran gebracht wird‘.

 

 

 

 

Roll das Ding doch einfach

Eine griechische Sage erzählt von dem Riesen Atlas. Er war dazu verdammt, das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern zu tragen. Hätte er auch nur für einen Augenblick losgelassen, dann wäre der Himmel auf die Erde gestürzt. So stand er da, jahraus, jahrein, mit der schweren Last auf seiner Schulter. Eine tragische Gestalt.

Auf unseren Schultern liegt nicht ganz so viel Last und Verantwortung wie beim Riesen Atlas. Aber es gibt viele, die schwer an ihrem Lebens-Pensum tragen, freiwillig oder unfreiwillig. Manches wird uns aufgepackt. Manches packen wir uns selbst auf.

Wen wundert’s, dass der Körper sich manchmal zu Wort meldet und sagt: ‚Stopp, ich kann nicht mehr!‘ – Wen wundert’s, wenn uns die innere Frische abhanden kommt, wenn die Freude in uns müde wird! Rückenbeschwerden, verspannte Schultern, Burnout, ein „ich-hab-keine-Lust-Gefühl“, ständiger Zeitdruck, Verstimmung, keine guten Ideen mehr…. wir wissen, wovon wir reden.

Da hab ich neulich eine Zeichnung gesehen mit dem Riesen Atlas, wie er schwer schleppte an seiner Last und schon ganz krumm geworden war – und eine Frau stand daneben und sagte: ‚Roll das Ding doch einfach!‘

‚Roll das Ding doch einfach!‘ – Ich hab laut gelacht. Ja, warum ist er darauf noch nicht gekommen? Manches könnte so viel einfacher sein, mit einem kleinen Kniff, einem neuen Gedanken, mit einer anderen Einstellung, mit Delegieren an andere.

Ich weiß, manches müssen wir tragen, manchmal müssen wir ranklotzen. Per aspera ad astra – durch das Rauhe zu den Sternen. Aber ich wünsche mir, dass es mir viel öfter als bisher einfällt: ‚Roll das Ding doch einfach!‘ Verschaff dir Erleichterung. Wie auch immer! Lass dir von Gott und Menschen helfen. Leg die Latte mit den Erwartungen an dich selbst nicht so hoch. Lass die Freude in deinem Leben nicht verloren gehen.

Weibliche Intuition

Sie spielt nur eine Nebenrolle. Wir wissen nicht einmal, wie sie heißt. In einem einzigen Vers wird sie in der Bibel erwähnt (Matthäus 27, 19): Die Frau des Pilatus!

Die Stimmung war aufgeheizt in Jerusalem. Pontius Pilatus – der römische Statthalter – hat sich gequält mit dem Prozess um Jesus Christus. Wie sollte er entscheiden? Nach römischem Recht oder so, wie das Volk es verlangte?

Seine Frau wird gespürt haben, dass ihr Mann unruhig war. Wenn man lange verheiratet ist, dann spürt man, wie es dem anderen zumute ist. Vielleicht hatten sie auch darüber gesprochen.

Und dann – in der Nacht vor dem Prozess – wacht die Frau des Pilatus mit einem komischen Gefühl auf. Sie hat wild geträumt, kaum geschlafen – sie hat so eine Ahnung, ihr Mann könne einen schlimmen Fehler begehen.

Wie ist das mit den Träumen?  Man sagt, in ihnen komme manches hoch, was wir gerne verdrängen, sie verarbeiten das Erlebte. Man sagt im Talmud, wenn man die Träume vernachlässigt, könne man ebenso gut seine Post ungeöffnet liegen lassen! – Wie ist das mit den Träumen und mit der Intuition einer Frau?

Die Frau des Pilatus ist aufgewühlt. Sie schickt ihrem Mann eine Nachricht, mitten in den Prozess, mitten in seine hochwichtigen Geschäfte. Sie wird getrieben von dem, was da in ihr angetippt worden ist in der Nacht! Sie kann nicht anders!

Die Stimme der Frauen ist super-wichtig. Frauen haben eine feine Antenne. Sie haben einen eingebauten Seismographen, mit dem sie spüren, wie sich etwas entwickelt, ob etwas dem Leben gut tut oder Leben gefährdet. Warum halten wir uns oft zurück mit dem, was wir als richtig und wichtig erkannt haben, mit unserer Intuition, dieser wertvollen Begabung. Unsere Stimme ist wichtig für alles Zusammenleben, für die Zukunft dieser Welt.

Wie oft habe ich in letzter Zeit gedacht: Wenn du doch geredet hättest!

Man muss manchmal das Weite suchen, um das Naheliegende zu finden

Gute Freunde sind sie, der Tiger und der Bär.  Sie leben in einem Häuschen,  unweit von einem Fluss entfernt. Eines Tages fischt der Bär, der ein leidenschaftlicher Angler ist,  eine leere Holzkiste aus dem Fluss. Darauf steht ‚Panama’ geschrieben. Der Bär schnuppert an der Kiste. Sie riecht nach Bananen. Der Bär beschließt, dass Panama das Land seiner Träume sei, ein Ort, an dem alles schöner und besser ist als Zuhause.

Der Bär und der Tiger (mit seiner kleinen Tigerente) machen sich auf. Sie sind lange unterwegs und kommen nach manchen Irrwegen schließlich wieder in ihrem alten Zuhause an, ohne es zu wissen.

Alles ist inzwischen zugewachsen und verwittert, nicht wiederzuerkennen.  Vor dem Haus liegt der alte Wegweiser mit der Aufschrift ‚Panama’. Bär und Tiger glauben sich am Ziel, reparieren das Haus, machen alles schön und sind überglücklich, nun endlich im Land ihrer Träume zu sein!!

 

‚Oh, wie schön ist Panama’. Ich liebe diese Geschichte von Janosch, der einmal gesagt hat: ‚Jeder lebte schon immer im Paradies, hat es nur nicht gewusst!’

Vielleicht müssen wir auf vielen Wegen und Umwegen neu sehen und lieben lernen, was wir alles haben, welche Chancen für uns bereitliegen.

Vielleicht müssen wir manchen Menschen in unserer Nähe neu entdecken, um zu erkennen, wie wertvoll er ist.

Vielleicht müssen wir das Selbstverständliche neu schätzen und genießen lernen,

im Kleinen das Große entdecken, hinter dem Beschwerlichen den Reichtum wahrnehmen.

 

Das Land der Träume ist keine Frage von Kilometern, wir tragen es längst in uns. Wir entscheiden, wie wir das Vorfindliche beurteilen und gestalten.

Was unsere Sehnsucht sucht, das finden wir ganz in der Nähe – wenn wir erst einmal anfangen, den nahen Gott zu spüren.

‚Jeder lebte schon immer im Paradies, hat es nur nicht gewusst!’

 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen gute Entdeckungen

Ihre/Eure Heidrun Kuhlmann

Musik ist die Stenografie des Gefühls (Leo N. Tolstoi)

Was tun, wenn man sich als siebenjähriger Junge ein Spielzeugauto wünscht, aber nicht genug Taschengeld zur Verfügung hat? Wenn man ein musikalisches Wunderkind wie David Garrett ist, setzt man sich in eine Fußgängerzone und spielt eine Stunde lang auf der Geige.

Es war ein wunderbares Konzert im Kuppelsaal von Hannover. Ein sympathischer junger Mann, Jahrgang 1980, verzaubert sein Publikum.

Mit bekannten Stücken (die er charmant moderiert) öffnet er (besonders jungen)  Menschen die Türen zur Klassik und überzeugt gleichzeitig Klassik-Kenner mit dem Violinkonzert op. 64 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Er spielt keine Noten, er bringt Musik in meisterhafter Weise zum Klingen.

‚Wenn du etwas erreichen willst, musst du knallhart dafür arbeiten‘, hat er in einem Interview gesagt. Große Leichtigkeit, Erfolg, fällt nicht als Fertigprodukt vom Himmel. Es ist das Ergebnis von täglicher Disziplin und Übung.

Seit 2008 ist er im Guiness-Buch der Rekorde als schnellster Geiger der Welt aufgeführt. Er spielt den Hummelflug von Rimski-Korsakow in nur 66,56 Sekunden. Das sind 13 Noten pro Sekunde!!!!!

David Garrett, einer der erfolgreichsten Klassik-Stars der Welt, ist authentisch. „Das Schlimmste im Leben ist, wenn man sich verstellen muss. Was ist das für ein erbärmliches Leben.“ Er möchte sich nicht in ein bestimmtes Bild pressen lassen, möchte seine Freude an der Musik ausdrücken und andere damit anstecken.

Und dann steht der junge Mann mit seiner Stradivari und der renommierten Weimarer Staatskapelle auf der Bühne – völlig unkonventiolell, mit Hut, in Jeans und Shirt unter dem jugendlichen Blazer.

Da komme ich richtig ins Schwärmen!!!

Mitten im Konzert kommt mir ein großer Gedanke. Es ist ein Wunder, wie das Zusammenspiel in einem Orchester gelingt und klingt.

Alle Instrumente haben ihren eigenen Klang und ihren festgeschriebenen Part. Die Flöten, ersten Geigen, zweiten Geigen, die Pauken, Trompeten und Posaunen, der Kontrabass, die Celli, der imposante Flügel und die Harfe mit ihren mystischen Klängen…..

Es gibt eine große Partitur, die festlegt, wie schnell gespielt wird, wann jemand dran ist oder Pause hat, ob er  gerade ein Solo spielen darf oder als Begleitung vorgesehen  ist.

Wir Menschen können uns inspirieren lassen von den großen Orchestern! Sie sind wie ein Lehrstück: So könnte das Zusammenspiel der Menschen, Kulturen, Religionen und Nationen gelingen. Wir spielen alle nach der großen Partitur des Lebens, die Gott selbst geschrieben hat!

 

 

Schönheit, die von innen strahlt

Klasse! Die erste „BRIGITTE“ (2.1.2010) ohne Models mit Größe XXXS,

ohne Models, deren Aussehen durch Make-Up-Künstler und digitale Bildbearbeitung perfektioniert wurde. Die erste „BRIGITTE“, die sagt: „Schönheit ist nicht nur eine Frage der Figur, sondern vor allem der Ausstrahlung“,

die sich distanziert vom klapperdürren „Idealbild“ und endlich wieder zum „wirklichen Leben“ zurückkehrt.

 

Hurra! Eine Frau muss mit 50 nicht alle ärmellosen Tops in die Kleidersammlung geben. Ein Hals darf so alt aussehen, wie er ist. Im Gesicht darf zu lesen sein, dass eine Frau, die in der Mitte des Lebens angekommen ist, manches geleistet, bedacht und durchgemacht hat. Ja, sie kann eine Menge erzählen von dem, was Spuren in ihrem Gesicht und auch in ihrer Seele hinterlassen hat!

 

Was frau sagt und denkt, was sie an Lebensfreude ausstrahlt, was sie an innerem Potenzial, an Esprit und Weisheit besitzt, das hat weitaus mehr Charme als ein ewig gleich bleibendes, lebloses Barbie-Puppen-Gesicht.

Karl Lagerfeld zum Trotz: Frauen mit runden Hüften und weiblichen Formen mag man gerne sehen!

 

Wie schön, dass ausgerechnet Stargeiger David Garrett mit seinen 28 Jahren sagt: „Ich glaube, dass „BRIGITTE“ an Charisma gewinnen wird, wenn nicht einfach nur hübsche Hüllen die Kleider präsentieren, sondern Menschen wie du und ich, die Lebenserfahrung mitbringen, die Charakter haben und Ausstrahlung. Menschen, die wissen, worum es im Leben geht. Menschen, die wissen, was Arbeit ist.“

 

Attraktivität hat viele Gesichter. Nichts ist so attraktiv wie eine Frau, die sich selbst mag, die in sich ruht, die sich in ihrem Körper wohlfühlt und die großartige Kraft der Weiblichkeit für sich entdeckt hat.

 

Also, liebe Schwestern, ab heute können wir wieder viel entspannter und selbstbewusster in den Spiegel schauen.

 

Lola Gola

Seit den achtziger Jahren bewegt sich die Publikumswelle La-Ola durch die Stadien. Das ist beeindruckend, wenn sich 80 000 Menschen wellenförmig in Bewegung setzen.
La-Ola, wir denken an Freude, Leichtigkeit und Begeisterung.

In einer Buchhandlung blieb mein Blick hängen bei dem Titel ‚Lola Gola‘. Ob das so ähnlich ist wie La-Ola, ist das ein südamerikanischer Tanz, eine Frauengruppe, die sich zu Samba-Rhythmen bewegt?
‚Lola Gola‘ erzählt von der Missionarin Maria L. Prean. Es steht für ein großes, unbedingtes Gottvertrauen und ist die Abkürzung für ‚Loslassen – Gott (über)lassen‘.

Man sagt, es sei eine Domäne der Mütter (und Großmütter, wie ich jetzt weiß), sich ständig Sorgen zu machen. Sie hören Flöhe husten, machen sich um alle und alles Gedanken. Wissen Sie, was ich meine?
Wilhelm Busch hat gesagt: ‚Lästige Gedanken sind wie zudringliche Stechmücken!‘ – Sorgen können in der Tat lästig sein, Kräfte und Schlaf rauben, innere Umweltverschmutzung verursachen, lähmen und beschlagnahmen. Womöglich machen sie sogar krank.
Wir können uns unser Naturell nicht aussuchen. Wer zu den Sorgengeistern gehört, wird durch flotte Sprüche nicht von jetzt auf gleich geheilt, zum Beispiel durch diesen: ‚Reservier für deine Sorgen jeden Tag 30 Minuten – und in der Zeit leg dich hin und mach ein Nickerchen.‘ – So einfach ist das nicht!

‚Lola Gola‘. Loslassen – Gott (über)lassen. Das klingt gut, aber wie kommen wir dahin?

Ich möchte Ihnen von einem Zimmermann erzählen. Er ist traurig, untröstlich, weil er bis zum nächsten Morgen über 11 000 Pfund Sägemehl aus Hartholz für seinen König bereithalten soll. Wenn ihm das nicht gelingt, soll er enthauptet werden.
11 000 Pfund Sägemehl. Das ist unmöglich!
Ein Freund legt seinen Arm um den Zimmermann und sagt: ‚Komm, lass uns essen und trinken und den morgigen Tag vergessen. Wir befehlen ihn Gott an.‘ (Lola Gola).
Die Familie war traurig. Na klar. Aber durch Essen, Trinken, Singen, Tanzen und sonstige Art und Weise von Gottvertrauen boten sie ihrem Kummer und ihren Tränen Einhalt.
Als der neue Tag anbrach, wurden sie schweigsam und von großer Angst befallen. Die Diener des Königs standen vor der Tür des Zimmermanns und klopften. Das Herz schlug dem armen Kerl bis zum Hals. Da sagte einer der Diener: ‚Zimmermann, der König ist tot. Wir brauchen dich, du musst ihm einen Sarg bauen.‘
(Nach William Saroyan aus ‚Eine gute Minute‘ von Axel Kühner)

‚Lola Gola‘. Für mich heißt das: ich sorge für das, was mir möglich ist, was meine innere Stimme und mein Verstand mir zeigen und was ich durch mein Reden und Tun ausrichten kann (Das ist viel, ganz viel!). Ich bemühe mich, gebe das Beste, tu Schritt für Schritt, was dran ist.
Und dann versuche ich es:
Ich lasse los, lasse Gott, den Liebhaber des Lebens, arrangieren, eingreifen, fügen, bewahren, durchhelfen, mich überraschen, verschlossene Türen aufstoßen, eingefrorene Beziehungen zum Leben erwecken, wie auch immer. ‚Lola Gola‘ – eine Lebenshaltung, die frisch, fromm, fröhlich und frei macht!

Mit lieben Grüßen von Heidrun Kuhlmann

Ich trage einen großen Namen

Unser Name ist wohl das schönste und wichtigste Wort für uns.
Margarete, die Perle, Sophie, die Weisheit, Heidrun, das Geheimnis, Matthias, das Geschenk Gottes, Jonas, die Taube….
Wenn uns jemand persönlich, mit Namen anspricht, dann tut das tut, gerade in einer Zeit, wo vieles anonym geworden ist. Sie wissen: im Krankenhaus werden wir manchmal zur „Galle auf Nummer 13“ und die Begegnung mit dem netten Sparkassenbeamten wird ersetzt durch die Eingabe unserer Geheimzahl am Bank-Automaten. Der Mensch als Nummer – manchmal kommen wir uns so vor. Am Arbeitsplatz werden Menschen durch Maschinen ersetzt.

Wer uns mit Namen anspricht, der signalisiert: Ich kenne dich, ich nehme dich wahr, ich schätze dich.

Es gibt ein Lied aus dem Musical „Cats“, darin geht es um die drei Namen einer Katze. Weil so viel Weisheit darin steckt, möchte ich den Inhalt gerne auf uns übertragen.

Der erste Name ist der, den unsere Eltern uns bei der Geburt gegeben haben. Gerda, Günther, Marlene, Sabine, Justus, Johanna, Peter, Klaus….
Der zweite Name beschreibt, wie wir sind, welchen Namen wir uns gemacht haben: die Tüchtige, der Schweigsame, das Sensibelchen, die Forsche, der Freund durch dick und dünn, die Kluge, der Geduldige.
Welchen Namen haben Sie sich gemacht, wie würde man Sie beschreiben?
Der dritte Name ist ein Geheimnis. Der dritte Name ist uns bei unserer Taufe zugesprochen worden. Das war wie eine Liebeserklärung. Der Gott, der die unvorstellbare Weite des Kosmos geschaffen hat, unergründliche Geheimnisse und die kleinsten Bausteine des Lebens – der hat zu jedem von uns gesagt: „Du bist wertgeachtet in meinen Augen, ein genialer Gedanke, ein Wunderwerk aus meiner Werkstatt!“

Egal, was war, was ist und was kommen wird – wir sind aufgehoben in seiner Liebe, in unseren Jahren hier und im Anderland.
Das kann uns die Wege des Lebens nicht ersparen, auch die leid- und mühevollen nicht. Aber
was ist das für ein Glanz, wenn Gott uns immer wieder mit unserem Namen anspricht:
„Du gehörst zu mir. Ich gehe mit dir auf jedem Schritt. Ich bin deine Kraft, deine Zukunft, deine Weisheit und dein Trost!“

Von Dorothee Sölle stammen diese wunderbaren Zeilen:
Du hast mich geträumt Gott
wie ich den aufrechten Gang übe
und niederknien lerne
schöner als ich jetzt bin
glücklicher als ich mich traue
freier als bei uns erlaubt

Weil Gott uns beim Namen nennt, können wir aufblühen. Egal, wie unsere Lebensgeschichte aussieht: Wir tragen einen großen Namen, denn Gott hat sich festgelegt:
„Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein!“ (Jesaja 43,1)

In herzlicher Verbundenheit, Ihre Heidrun Kuhlmann

P.S.: Vielleicht sollten wir unsere Mitmenschen in Zukunft viel öfter und bewusster mit ihrem Namen ansprechen….

Eine Welt – ein Traum

Liebe Seelenfutter-Freunde!

„ Wo soll man diesen Traum denn träumen, wenn nicht hier? Wann, wenn nicht an einem Abend wie diesem?“
Kommentatorin Sandra Maischberger weiß um die Verletzung der Menschenrechte, vom Drangsalieren der Tibeter, vom Völkermord.
Sie weiß, dass die Realität in China vielfach eine andere als die hier demonstrierte ist – aber an diesem Abend, bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking, mag sie sich für einen Moment darauf einlassen, dass China friedlicher Partner in der Weltgemeinschaft sein möchte, beseelt von dem Wissen, von der Vision, dass wir alle zu einer großen Familie gehören.
Kluge und weniger Kluge, Reiche und Arme, Schwarze und Weiße, Schöne und nicht so Schöne, Erfolgreiche und Gescheiterte, so und anders Gläubige!

Eine Welt – ein Traum! Das ist nicht sentimental, blauäugig oder naiv, das ist Gottes Traum – und der erfordert ein neues Denken, ungewohnte Schritte, vollen Einsatz und Mut!

Ich denke an einen LandFrauenverein, der zusammen mit türkischen Frauen ein Kochbuch herausgegeben hat. Das gemeinsame Projekt hat Berührungsängste abgebaut und gezeigt, dass im Gespräch, beim Teetrinken, viele Vorurteile beseitigt werden können – und dass viele Sorgen und Probleme türkische und deutsche Mütter vereinen.
Ein anderer Verein hat Frauen aus Weißrussland eingeladen zu einem Erzählabend und einer Schreibwerkstatt. Erzählen, was war, gemeinsame Wurzeln entdecken, aufarbeiten, was verletzt und entmutigt hat, sich erinnern, wo man Hilfe erfahren und Durchhaltekraft bekommen hat.

„Ich habe einen Traum….“ – so hat Martin Luther King seine berühmte Rede begonnen. Wer will, dass Träume eine echte Chance bekommen, Wirklichkeit werden, der darf nicht träumend in Bett oder Liegestuhl bleiben, der muss sich auf den Weg machen.
Manchmal ist der Weg sehr weit zur schwierigen Nachbarin, zwischen Schwiegermutter und -tochter, zu der Bekannten, die mich verletzt hat, zu einem Freund ans Sterbebett oder in die Psychiatrie. Und es gibt auch heute noch Vereine, wo vor Beginn einer Veranstaltung Stühle freigehalten werden, damit man bloß nicht neben einem Fremden sitzen muss. Ach ja! Da ist vieles, was uns aufhält!

Sollen wir unsere Träume auf Sparflamme halten – weil die Wirklichkeit dagegen spricht? Oder wollen wir Gottes Traum vom großen Schalom mitträumen, von einer Welt, in der geteilt wird, in der Zäune überflüssig werden, wo man den anderen gelten lässt, wie er ist, wo der Starke den Schwachen nicht platt macht, wo „Frieden und Gerechtigkeit sich küssen“.

Für Sportler gelten verbindliche Spielregeln! In dieser Welt gelten Gottes Spielregeln für ein gelingendes Miteinander und den Umgang mit der Schöpfung, für eine Balance an Körper, Seele und Geist. Und jedes Mal, wenn wir das vergessen, bekommen wir eine Menge Scherereiern, egal wie!

Eine Welt – ein Traum!
Ich überlege gerade, welchen kleinen Beitrag ich heute noch dazu leisten kann.

Mit lieben Grüßen aus dem Weserbergland
Ihr/Eure Heidrun Kuhlmann

Kommunikation ist alles

Wir leben heute im Zeitalter der Kommunikation. Noch nie hatten wir so viele Möglichkeiten, mit anderen ins Gespräch zu kommen, auf verschiedenste Weisen Nachrichten zu übermitteln, Beziehungen zu pflegen. Ist der Weg von Mensch zu Mensch jetzt einfacher geworden, verhelfen uns die neuen Medien zu mehr Nähe, zu einem besseren Verstehen?

Im Internet habe ich dazu eine schöne Geschichte gefunden:

Großer Aufruhr im Wald: Es geht das Gerücht um, der Bär habe eine Todesliste. Alle fragen sich, wer denn nun da drauf steht. Als erster nimmt der Hirsch allen Mut zusammen und geht zum Bären und fragt ihn: „Sag mal Bär, stehe ich auch auf deiner Liste?“ – „Ja“, sagt der Bär, „auch dein Name steht auf der Liste.“ Voller Angst dreht sich der Hirsch um und geht. Und wirklich, nach zwei Tagen wird der Hirsch tot aufgefunden. Die Angst unter den Waldbewohnern steigt immer mehr und die Gerüchteküche um die Frage, wer noch auf der Liste steht, brodelt. Der Keiler ist der erste, dem der Geduldsfaden reißt und der den Bär aufsucht, um ihn zu fragen, ob er auch auf der Liste steht. „Ja“, antwortet der Bär, „auch du stehst auf der Liste“. Verängstigt verabschiedet sich der Keiler vom Bären. Und auch ihn fand man nach zwei Tagen tot auf. Nun bricht die totale Panik unter den Waldbewohnern aus. Nur der Hase traut sich noch den Bären aufzusuchen. „Bär, stehe ich auch auf der Liste?“ – „Ja, auch du stehst auf der Liste“. – „Kannst du mich da streichen?“ – „Ja klar, kein Problem.“

Ich hab so gelacht, als ich diese Geschichte, die fast wie ein Krimi anmutet, zum ersten Mal gehört habe.

In der Tat, es könnte vieles besser laufen, wenn wir dem anderen „ein Wort gönnen“, wie meine Mutter immer zu sagen pflegt, dem anderen sagen, warum wir etwas tun oder nicht tun, was uns bewegt, was wir vorhaben, was wir mögen und nicht mögen. Es könnte vieles besser laufen, wenn wir transparenter wären, die Beweggründe für unser Handeln, unsere Pläne und Ängste mitteilen würden. Belastendes verliert an Gewicht, Schönes bekommt mehr Glanz, es herrscht Klarheit.

„Viel Unglück wird durch Unausgesprochenes in diese Welt gebracht“, hat Dostojewski gesagt. Wenn Menschen sich in Schweigen hüllen, wenn sie wichtige Informationen nicht weitergeben, wenn sie zu Spekulationen Anlass geben – dann entstehen Mißverständnisse, entstehen Probleme, die nicht sein müssten.

Wie wir miteinander im Gespräch sind, das bestimmt die Qualität unseres Miteinanders, im Kleinen und im Großen.

Mit lieben Grüßen meldet sich nach einer kleinen Sendepause zurück

Ihre/Eure Heidrun Kuhlmann