3. Dezember – Vorfreude

„Vorfreude ist die schönste Freude“, so heißt es im Volksmund.
Männer und Frauen freuen sich auf einen besonderen Urlaub, auf ein besonderes Fest.
Kleine Kinder fragen ganz hibbelig: „Wann ist es denn endlich soweit, dass ich Geburtstag habe?“

Wenn wir heute die erste Kerze auf dem Adventskranz anzünden, dann freuen wir uns auf das Weihnachtsfest mit all den schönen Ritualen, die für uns dazugehören.
Wir freuen uns auf den Tag, an dem die Familie zusammensitzen wird.
Wir hören Geschichten von dem, was einmal sein wird:
Schwerter werden zu Pflugscharen. Kein Volk wird sich mehr gegen das andere erheben. Lahme tanzen. Blinde sehen. Stumme können wieder sprechen. Wüsten werden blühen.
Wir bekommen Antworten auf die vielen Fragen, die uns hier und jetzt bedrängen.

Noch sieht die Welt anders aus.
Noch werden viele Tränen geweint.
Aber das, worauf wir uns freuen, schickt seine Strahlen schon voraus.

Ich habe einen Adventskalender mit 24 leeren Kästchen.
Jeden Abend schreibe ich drei Dinge auf, über die ich mich gefreut habe, für die ich dankbar bin.
Ich staune, wieviel Gutes in einem ganz normalen Tag stecken kann.

Es ruft jemand an, von dem ich schon lange nichts mehr gehört habe.
Der Mann kommt begeistert und zufrieden von einem Fotokurs nach Hause.
Der Flammkuchen ist gut gelungen.

Ich wünsche Ihnen Freude in dieser Adventszeit,
Freude an dem, was uns versprochen ist und Freude, die Sie jetzt und hier erleben.

2. Dezember – Wer hätte das gedacht?

Seit einigen Jahren gibt es in unserer Kirchengemeinde den „Offenen Advent“.
Jeden Abend öffnet jemand seine Tür.
Es ist interessant zu sehen, wie Menschen leben.
Frauen wissen das.
Wir treffen uns für 30 Minuten in einer lockeren Runde,
plaudern, trinken Tee, singen, hören eine Geschichte und essen Kekse.
Das Wichtigste bei diesen Treffen ist die Gemeinschaft.
Die Nähe tut gut in der kalten, dunklen Jahreszeit.

Gestern Abend habe ich beim „Offenen Advent“ etwas Wunderschönes erlebt.
Ich habe eine Frau kennengelernt, die ich noch nie vorher gesehen hatte,
obwohl sie nur 500 Meter von mir entfernt wohnt.
Wir wussten voneinander, aber es brauchte diesen Abend beim „Offenen Advent“,
dass wir zum ersten Mal miteinander gesprochen haben.
Es ist die Mutter vom besten Freund unseres Sohnes.

Ein paar Worte haben gereicht und die Herzen haben sich geöffnet.
Was hätte ich verpasst, wenn ich gestern Abend auf dem Sofa geblieben wäre!

Offene Türen tun gut. Offene Worte und offene Herzen allemal!
Wir ahnen, wie das sein kann zwischen uns Menschen!

Luther für die Alltage des Lebens

Die Zeit war reif für Veränderungen. Die Menschheit stand am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit.
Martin Luther, ein hochbegabter und gebildeter junger Mann, hatte eine aussichtsreiche Karriere vor sich. Nach dem Willen seines Vaters sollte er Jurist werden. Der Lebensentwurf stand.

Dann gab es einen Wendepunkt. In sein Leben war etwas eingebrochen, das ihn gepackt hat, das größer war als er selbst. „Der Mensch kann und muss sich den Himmel nicht verdienen. Er wird ihm geschenkt. Diese Erkenntnis war so gewaltig, dass sie Martin Luther verändert und befreit hat. Er hatte den Mut, sich gegen den Papst und den Kaiser zu stellen.

Aus welcher Kraft hat Martin Luther gelebt? Was hat ihn, der sich oft mit Schwermut plagte, immer wieder von Freude singen lassen? Wie ist es möglich, mitten in der Welt, mit allem, was uns am Boden hält, die Kraft des Himmels zu spüren?

Frisch, fromm, fröhlich, frei

Gott hat uns Menschen die Welt anvertraut, dass wir sie bebauen und bewahren. Er hat uns Geist von seinem Geist gegeben, hat uns ausgestattet mit Fantasie und Begabungen.
Durch unser Denken und Reden, durch das, was wir tun oder nicht tun, entscheiden wir mit, wie die Welt in uns und um uns herum aussieht.
In einem chinesischen Sprichwort heißt es:
„Willst du die Welt verändern, verändere zunächst einmal dein Land.
Willst du dein Land verändern, verändere zunächst einmal dein Dorf.
Willst du dein Dorf verändern, verändere zunächst einmal deine Familie.
Willst du deine Familie verändern, verändere zunächst einmal dich selbst.“

Menschen – Bilder – Emotionen

23. Dezember 2015

Noch einmal zurückschauen auf das vergangene Jahr, mit Günter Jauch oder Markus Lanz, das gehört zum Dezember!
Wir erinnern uns an die Terroranschläge in Paris, an die unfassbaren Umstände, die zum Absturz einer German Wings-Maschine führten, an die Konflikte in der Ukraine und
die Finanzkrise in Griechenland….
Königin Elisabeth ist mit 63 Jahren und 216 Tagen die dienstälteste britische Monarchin.
Deutschland hat Abschied genommen von Hellmut Karasek, Günter Grass und Helmut Schmidt.
Bei der Aufnahme von Flüchtlingen haben sich erstaunlich viele Ehrenamtliche engagiert.
Das „Pariser Abkommen“ dokumentiert einen Durchbruch in der Klimapolitik. Der französische Präsident Hollande sprach von der „schönsten und friedlichsten Revolution, die von Paris ausgegangen ist“.

Was hat das Jahr für uns gebracht?
Was hat das Jahr mit uns gemacht?

Ich schaue zurück auf die Geburt einer Enkeltochter,
auf entscheidende Tage im Herzzentrum Köln,
auf traurige Abschiede,
auf schöne Feste und wertvolle Erlebnisse auf Fehmarn, in Linköping, Berlin und Amsterdam,
auf kostbare Begegnungen,
einen stimmungsvollen Gottesdienst der LandFrauen in Rinteln, mit DLV-Präsidentin Brigitte Scherb.

An welche Menschen denken Sie, die etwas besonderes erlebt und geleistet haben?
Welche Bilder und Emotionen tragen Sie im Herzen?

2015 – das war geschenkte Zeit. Wir haben etwas dazugelernt. Wir sind reifer, wacher, milder und freier geworden. Wir sind bewahrt worden und haben viel Grund zum Danken gehabt.

Ausgerechnet zu Weihnachten

22. Dezember 2015

Ungünstiger konnte der Zeitpunkt kaum sein: Ausgerechnet drei Tage vor dem Heiligen Abend geht der Geschirrspüler kaputt.
Das kann doch nicht wahr sein, gerade jetzt, wo das Haus voll sein wird!

Ausgerechnet zu Weihnachten zwang ein Magen-Darm-Infekt die Hälfte der Familie in die Horizontale.
Ausgerechnet zu Weihnachten brachte der Kleine Läuse aus dem Kindergarten mit nach Haus.
Völlig unpassend zum Fest der Liebe und des Friedens gab es Streit. Es kochte über, was schon lange gebrodelt hatte.

Die Stimmung ist hin, die Erwartungen an das Fest sind enttäuscht.

Da hilft ein Satz, den wir eingerahmt in dieser Zeit an die Küchenwand hängen sollten, damit wir ihn verinnerlichen:
„Überfrachte das Weihnachtsfest nicht mit zu hohen Erwartungen, es müsse jetzt alles ganz besonders harmonisch und besonders sein!“

Weihnachten ist viel normaler, als wir wahrhaben wollen –
und gleichzeitig ganz besonders: wir bleiben nicht allein in unseren Tagen, die sind, wie sie sind.
Wir leben jetzt „zu zweit“. Gott ist mittendrin!!

Musik im Kerzenschein

21. Dezember 2015

Singen tut gut. Es entspannt und bringt im Menschen etwas zum Klingen. Es berührt und beruhigt, es vertreibt düstere Gedanken!
„Tochter Zion“, „Nun singet und seid froh“, „Es kommt ein Schiff geladen“, „Herbei, o ihr Gläub’gen“, „Hört der Engel helle Lieder“, „Es ist ein Ros ensprungen“. In der Adventszeit und zu Weihnachten können wir aus dem Vollen schöpfen.
Die Lieder voller Hoffnung und Freude tun gut. Wir ahnen etwas vom Geborgensein in allem, was ist.
Schade, dass wir nur noch wenig Gelegenheiten zum Singen haben oder nutzen.
Wir könnten uns einiges von der Seele singen, wofür uns die Worte fehlen, wofür wir ansonsten kein Ventil finden.

Bei der „Musik im Kerzenschein“ in der Katharinenkirche in Kathrinhagen waren ein Vokalensemble und ein Posaunenchor dabei.
Und wer selbst keine Töne hatte (das sagen wir ja, wenn es uns gerade nicht so gut geht), der konnte sich an deren Tönen freuen, den zarten und beschwingten.

Überraschung!

20. Dezember 2015

Das war eine Überraschung! Seit Jahren hatten wir uns nicht gesehen. Auf einmal standen sie vor uns – beim WeihnachtsZauber auf dem Gendarmenmarkt in Berlin. Tag für Tag wird dieser Markt von Tausenden besucht. Die Wahrscheinlichkeit, hier Bekannte zu treffen, ist äußerst gering. Es war kaum zu fassen, aber sie waren es wirklich: Ute und Klaus. Wir hatten viel zu erzählen. Die Freude war groß.

So ist das wohl gemeint im Advent: Offen sein für Überraschungen. Offen sein für das, was Gott arrangiert. Den Glanz des Himmels erwarten und wahrnehmen – hier auf der Erde, inmitten des umfangreichen Programms, das dazugehört. „Ich bin gespannt, guter Gott, wen du mir heute schickst, was du mir aufgibst, wo du mir ein Licht aufgehen lässt, womit du mich tröstest, wenn es in mir weint.

Advent, das bedeutet: Offen sein. Ein offenes Ohr, eine offene Tür, ein offenes Haus haben. Veränderungen für möglich halten. Mich wieder öffnen, wo ich dicht gemacht hatte. Neue Gedanken denken. Mit Gottes Kraft rechnen, wenn die eigene schwächelt. Auf andere zugehen, statt zu klagen, dass keiner kommt. Behutsam auf die leisen Stimmen in meinem Inneren und auf die Signale des Körpers achten. Im Gewohnten neu leben, freier, mutiger, echter!

Stille

19. Dezember 2015

Im Brandenburger Tor in Berlin gibt es einen Raum der Stille.
Er bietet Gelegenheit, für kurze Zeit den Lärm, die Hektik und die vielen Eindrücke einer Großstadt hinter sich zu lassen und bei sich selbst anzukommen.
Der Raum ist schlicht. An der Wand hängt ein handgewebter Teppich. Er deutet an, wie Licht die Dunkelheit durchdringt.
Auf einem Faltblatt wird ein Satz von Dietrich Bonhoeffer zitiert:

„Es liegt im Stillesein
eine wunderbare Macht
der Klärung,
der Reinigung,
der Sammlung auf das Wesentliche.“

Still werden. So einfach ist das gar nicht.
Wenn es um uns herum still wird,
dann geht es in unserem Kopf erst richtig los.
Gedanken schlagen Purzelbaum!

Still werden tut der Seele gut, es ist wie Urlaub für Gehirn und Körper.
Mal nichts denken,
bewusst atmen,
loslassen, Gott überlassen, was uns in Beschlag nimmt.
Offen sein für das, was passiert, während wir schweigen und nichts tun.

Das Wesentliche im Leben wird uns geschenkt.
Ich wünsche uns in diesen Tagen, in denen der Countdowm läuft, Augenblicke der Stille.

Nachrichten, die die Welt verändern

19. Dezember 2015

Nach den Terroranschlägen in Paris sprachen die Medien davon, dass die Welt nicht mehr dieselbe sei wie vorher.
Viele Nachrichten haben die Welt verändert,
die vom Super-GAU in Tschernobyl und Fukushima,
die von der ersten Herzverpflanzung, vom kabellosen Telefonieren, vom Fall der Mauer in Berlin,
von Mahatma Gandhi und Mutter Teresa, vom Kniefall des Willy Brandt in Polen,
vom Anschlag auf das World Trade Center in New York.

Nachrichten haben unsere persönliche Welt verändert,
haben uns froher oder ängstlicher gemacht,
weicher oder verschlossener……

Zu Weihnachten feiern wir ein Ereignis, das die Welt verändert hat –
seitdem hat sie eine neue Zeitrechnung.
Gott betritt in einem Menschen die Welt,
der Himmel berührt die Erde,
wir sind nicht mehr allein mit allem, was ist,
wir sind „von guten Mächten wunderbar geborgen“.

Ob diese Nachricht uns verändert,
uns leichter und geborgener macht, freier und mutiger?