Von Stutenbissgkeit und Busenfreundinnen

Das war ein Klasse-Vortrag von Antje Balters, Redakteurin und Autorin aus Riede bei Bremen, Jahrgang 1956, Mutter von fünf Kindern.
Mit ihrer erfrischenden und sehr persönlichen Vortragsweise hatte die Referentin schnell die Sympathien der Rintelner Landfrauen gewonnen.

Es gibt Rivalität und Neid unter Frauen, vornehmlich, wenn es um das Aussehen, um den Beruf, um Kinder, Partner und Haushalt geht. Je unsicherer eine Frau ist (vielleicht auch: je überforderter eine Frau ist), desto mehr neigt sie zum vergleichen, zur Bissigkeit, desto abhängiger ist sie vom Urteil der anderen.

Manchmal erwischt es sogar starke Frauen wie Verona Feldbusch und Alice Schwarzer – erlebt in einer Talkshow bei Johannes B. Kerner – dass sie ihre Rivalität und Zickeigkeit nicht verbergen können.
Oft sind es jedoch die kleinen Dinge des Alltags, die „frau“ zu schaffen machen, z.B. wenn die andere eine bessere Figur hat – oder einen stets gepflegten Haushalt, in dem es regelmäßig nach frisch gebackenem Kuchen duftet (und sie dann auch noch sagt: „…also bei mir sieht das heute mal wieder aus!“). Manchmal wird „frau“ schon mal bissig und sagt, dass Frau X aber deutlich zugenommen hat und Frau Y besser keine kniefreien Röcke tragen sollte – und vor allem, dass Frau Z ja auch eine Perle von Mann hat, kein Wunder, dass die alles viel besser schaffen kann.
Die berufstätigen Frauen werfen den „Nur-Hausfrauen“ vor, ein laues Leben zu führen – und umgekehrt gibt es Schelte, wenn Familie nicht mehr als Zukunftswerkstatt und warmes Nest gesehen, sondern für die Karriere geopfert wird.

Es gibt offene und verdeckte Rivalität unter Frauen und die verhindert immer wieder, dass „frau“ sich unbeschwert an dem erfreuen kann, was sie hat, was ihr Leben reich macht und was bei ihr rund läuft, was ihr ganz persönlicher Weg ist! Das kennen wir ja: Wer anfängt, sich mit anderen zu vergleichen, der programmiert damit die Unzufriedenheit vor!

Nun gibt es aber auch das andere: wunderbare Frauenfreundschaften. Da sind Frauen, die sich fördern, ermutigen und stark machen, die kaum Geheimnisse voreinander haben.
Die beste Freundin erkennt, wenn ich munter und kompetent tue, mich in Wirklichkeit aber klein und mickrig fühle. Wenn ich von meinen Aktivitäten berichte, liest sie zwischen den Zeilen von meiner Unruhe, meinem Überfordertsein, meiner Suche nach Anerkennung. Die beste Freundin sagt uns, welche Kleidungsstücke wir besser nicht tragen sollten und hält uns aus, wenn wir übel drauf sind. Sie ist eine gute Adresse für Liebeskummer und Selbstwertprobleme – und sie wird zur entscheidenden Hilfe, wenn schlimme Zeiten zu bestehen sind.
Ist ja klar, dass die Enttäuschung und der Jammer groß ist, wenn eine solche wunderbare Freundschaft zerbrechen sollte – wenn unser Vertrauen verletzt wird, da, wo wir uns durch unsere Offenheit verwundbar gemacht haben.

Antje Balters sprach zum Schluss ihres hervorragenden Vortrages vom „Landhausstil“ einem Synonym für die Sehnsucht nach Angenommensein und Geborgenheit. Wer um seinen Wert weiß – wer sich von Gott geliebt weiß – der muss sich nicht ständig beweisen und mit anderen konkurrieren. Er/Sie bringt beste Voraussetzungen mit, um eine gute Freundin zu sein!

Wer neugierig geworden ist und mehr wissen möchte: Antje Balters „Neidlos glücklich“ im Gerth-Verlag.

Die andern sind das weite Meer

Es gibt ein wunderschönes Liebes-Gedicht von Mascha Kaleko, das mich schon viele Jahre lang begleitet und das ich heute an Sie/Euch weitergeben möchte.

Die andern sind das weite Meer.
Du aber bist der Hafen.
So glaube mir: kannst ruhig schlafen,
ich steure immer wieder her.

Denn all die Stürme, die mich trafen,
sie ließen meine Segel leer.
Die andern sind das bunte Meer,
du aber bist der Hafen.

Du bist der Leuchtturm,
letztes Ziel.
Kannst, Liebster, ruhig schlafen.
Die andern … das ist Wellenspiel,
du aber bist der Hafen.

In allem bunten Leben, das uns umgibt, das uns lockt und herausfordert,
bei all den vielen Menschen, denen wir begegnen und mit denen wir manche Wege gehn, ist es so wichtig, den einen, die wenigen zu haben, wo wir zuhause sind, wo wir nichts auftakeln müssen, wo man uns sogar mit Fehlern, Niederlagen und Schrammen willkommen heißt.
Wo ist unser Hafen, den wir anlaufen können, wenn wir uns verausgabt, wenn wir Federn gelassen haben, wenn wir mit uns selbst und der der Welt nicht im Reinen sind?
Wer sind die Menschen, die Dir Ihre Schulter zum anlehnen und ausweinen anbieten, die Dir gut tun, für die Du nicht nur irgendjemand bist…

In allem mal bunten, mal schweren Leben, das uns umgibt,
bei all den vielen Menschen, denen wir begegnen, die uns gut tun und mit denen wir es nicht leicht haben,
ist es so wichtig, einen besonderen Hafen zu haben: Den Gott, der uns in dieses Leben hineingeliebt hat,
der uns Wege zutraut – und der uns irgendwann mit offenen Armen wieder in Empfang nehmen wird.

Ich wünsche uns allen, dass wir diesen Hafen haben – aus dem wir gut vorbereitet auslaufen können auf die Wege, die wir zu gehen haben,
und dass wir wissen, wo wir hingehören, heute, morgen und übermorgen.

Hackfleischtopf

500 g Rinderhack
1 Stange Porree
5 EL Tomatenpürree
1/4 l Brühe
1 EL Senf
1 TL Rosenpaprika
1 TL Salz
1/4 l saure Sahne
2 große Zwiebeln
1 EL Öl
1 EL Butter

Die gehackten Zwiebeln kurz in Öl und Butter anbraten. Dann die Hitze erhöhen, das Hackfleisch in den Topf geben und braten, bis es leicht braun ist.
Bei schwacher Hitze den geputzten, in Streifen geschnittenen Lauch, Tomatenpüree, Brühe, Senf und Gewürze nach Geschmack zugeben.
Etwa 15 Minuten bei schwacher Hitze dünsten, häufig umrühren.
Die saure Sahne kur vor dem Servieren darübergießen.

Dazu passen Nudeln oder Reis – und ein grüner Salat.

Antipasti – für die italienischen Momente im Leben

Eingelegte Zuccini

 5 – 6 kleine Zuccini,

3- 5 Knoblauchzehen,

Pfefferminzblättchen oder Petersilie,
Balsamicoessig, Chilipulver, gutes Olivenöl, Salz

Zubereitung: Die Endstücke der Zuccini abschneiden, dann waschen, abtrocknen und in 3 -4 mm dicke Scheiben schneiden.

Knoblauchzehen schälen und pressen. Pfefferminze oder Petersilie klein gehackt bereit stellen.

In einer geräumigen Pfanne Olivenöl erhitzen. Die Zuccinischeiben in mehreren Portionen bei starker Hitze auf beiden Seiten knusprig braten.
Herausnehmen, auf Küchenkrepp abrtopfen lassen und salzen.

Die Zuccinischeiben lagenweise in eine kleine Schüssel füllen. Jede Lage mit Knoblauch, Pfefferminz oder Petersilie, Balsamicoessig und Chilipulver würzen. Zum Schluss mit Olivenöl beträufeln. Mindestens zwei Tage im Kühlschrank marinieren lassen.

Eingelegte Pilze

 2 Zwiebeln,

4 Knoblauchzehen, Olivenöl,

600 g Champignons,

Salz, Pfeffer, Petersilie, Saft von 1 Zitrone

 

Zubereitung:
Zwiebeln sehr klein hacken, Knoblauch pressen. In Olivenöl weich dünsten. Die Pilze putzen, vierteln, in die Pfanne geben, salzen und
pfeffern. Im eigenen Saft dünsten, bis sie „al dente“ sind.

Die feingehackte Petersilie dazugeben, mit Zitronensaft würzen. Die Pilze auf ein Sieb geben, den Saft auffangen und mit etwas Öl verquirlen. Über die Pilze gießen und zugedeckt ein, zwei Tage im Kühlschrank marinieren lassen.

Auberginen, mit Schafskäse gefüllt

4 kleine Auberginen,

1 Paket Schafskäse,

Olivenöl, Salz

Zubereitung:

Die Auberginen waschen, Endstücke abschneiden und in 4 – 5 mm dicke Scheiben schneiden. Die Haut entfernen.

In einer geräumigen Pfanne mit Olivenöl von beiden Seiten goldbraun dünsten, auf Küchenkrepp abtropfen lassen, salzen und 1*1 cm große Streifen Schafskäse einrollen. Die gefüllte Aubergine mit einem Zahnstocher versehen.

Marinierte Paprikaschoten

 je 2 gelbe und rote Paprikaschoten

1 Bund Petersilie

4 Knoblauchzehen, Salz, Olivenöl

Zubereitung:
Den Backofen auf 200 ° vorheizen. Die Paprikaschoten waschen, entkernen, längs in 4 Stücke schneiden und mit der gewölbten Seite nach oben in den Backofen legen. Solange drin lassen, etwa 20 Minuten, bis die Haut „runzelig“ wird und dunkel wird.

Die Schoten aus dem Ofen nehmen, etwas abkühlen lassen und die Haut abziehen. Dann in 2 – 3 cm breite Streifen schneiden.

Die Parikaschoten lagenweise in eine kleine Schüssel schichten, jede Lage leicht salzen, mit Knoblauch und Olivenöl beträufeln. Über die letzte Lage so viel Olivenöl gießen, dass das Gemüse bedeckt ist. Mindestens einen Tag lang im Kühlschrank marinieren lassen.

Grünkohl a la Oma Meta

Grünkohl gehört zu unserem Lieblingsessen im Winter. Und der muss im großen Topf gekocht werden, für die ganze Familie, möglichst für zwei Tage.

Hier das Rezept von Oma Meta:
1 kleine Wanne Grünkohl schneiden und halb gar kochen.
Mageres Kasseler mitkochen,
später Bregenwurst und Rauchenden dazugeben.
Mit Brühwürfel, Salz und Pfeffer würzen
Mit einer geriebenen Kartoffel andicken, einige Haferflocken dazu.
Und dazu essen wir Salzkartoffeln.

Traumhaft!

Das Fleisch wird natürlich auf einer Platte extra serviert. Ist ja klar.

Geiz ist nicht geil – Geiz ist gottlos

Sparen ist in Deutschland modern.

Wer seinen Pinot Grigio nicht längst bei Aldi kauft, wer die aktuellen Sonderangebote der Supermärkte nicht kennt, wer nicht regelmäßig bei e-bay auf Schnäppchen-Jagd geht, es nicht schafft, beim Kauf der neuen Gartenmöbel dem Verkäufer einen größeren Rabatt abzuschwatzen, der gilt als hinterwäldlerisch, als Depp!

In Italien parken die Leute ihren Sportwagen vor teuren Feinkostgeschäften und erfreuen sich an Gänseleber aus dem Perigord und luftgetrocknetem Schinken aus Parma. Die deutschen Sportwagen mit durchaus gut verdienenden Damen und Herren parken vor Lidl und Aldi. Für die Deutschen zählt vor allem der Preis.

Wann der deutsche Sparzwang begonnen hat, ist schwer zu sagen. Kommt er aus den schlechten Zeiten gleich nach dem Krieg, als alles knapp war, nachdem man durch Zerstörung und Inflation verloren hatte, was mühsam erarbeitet war? Hat der den Genüssen des Lebens eher kritisch gegenüberstehende Protestantismus eine prägende Rolle gespielt?

Der Psychologe und Marktforscher Heinz Grüne vom Kölner Rheingold-Institut stellt fest: „Den Optimismus müssen sich die Deutschen erst erarbeiten, den Pessimismus tragen sie in sich.“ Die Deutschen trauen dem Leben nicht. Lieber weniger Leben, dafür mehr Geld. Das ist ein Phänomen, das auf ein großes Bedürfnis nach Sicherheit und sehr wenig Vertrauen in die Zukunft und in die eigene Stärke schließen lässt, übrigens auch von wenig Gottvertrauen zeugt!

Das Tragische dabei: Durch unsere Sparsamkeit, durch den Hang zum Geiz, machen wir alles noch viel schlimmer. Die Kaufweigerung belastet die Wirtschaft, die gerät ins Stocken, Leute werden entlassen.

Die Abendnachrichten werden als eine „Revue des Scheiterns“ erlebt und bestärkt die Menschen in der Überzeugung: Es ist alles ganz schrecklich!“

Dass unser Land auch nach diversen Einschränkungen immer noch zu den reichsten der Erde zählt, wird darüber vergessen. Auch
ein anderer Umstand wird verdrängt: In Deutschland gibt es sehr wohl freie Stellen. Das Arbeitslosenelend herrscht nicht flächendeckend. Es gibt auch Branchen, die händeringend nach Arbeitskräften suchen. Aber wer will noch Schlachter, Bäcker oder Koch werden?

Dummerweise kommen die wenigsten darauf, dass ihr eigenes Verhalten, das ängstliche, knausrige, weinerliche, das deutsche Dilemma mit verursacht hat. Stattdessen klopfen sie Sparfüchsen bewundernd auf die Schulter.

„Die werden in einer falschen Wirklichkeit als Helden gefeiert“, sagt Heinz Grüne. Aber das bemerkt kaum noch einer. Denn die Deutschen sind nicht nur mit dem Geld und dem Leben sparsam geworden. Auch bei der Selbstkritik knausern sie immer mehr.

Diese Gedanken habe ich aus dem Rheinischen Merkur Nr. 25 , sie sind verfasst von Thomas Schwitalla.

Ich möchte eine alte Weisheit hinzufügen:

„Wenn du zwei Münzen hast, kauf für die eine Brot für die Familie – und für die andere kauf Dir eine Hyazinthe, damit Dein Herz sich freuen kann!“

Ich möchte nicht knauserig werden – und dem Leben trauen. Möglicherweise schone ich mit einer „Dagobert-Duck-Mentalität“ meinen Geldbeutel, aber das Herz wird hart und die Seele einsam. Wer nichts gibt, bekommt auch nichts zurück. Ich möchte großzügig geben, statt knausern.

Ich möchte helfen, dass es Qualität gibt und die einen fairen Preis bekommt. Ich möchte die Parole „Geiz ist geil“ niemals mit meinem
Lebensstil in Verbindung bringen, weder für mein Portemonaie, noch für meinen Umgang mit den Menschen, noch für meinen Umgang mit der Zeit.

Ich lebe vom Geschenkten – und das kann man nur mit vollen Händen weitergeben!

Ob sich Adam und Eva – und alle, die danach kamen – „rechneten“? Was wäre,wenn eine Mutter Teresa es sich in ihrer Privatsphäre gemütlich gemacht hätte? Was wäre, wenn die Weisen aus dem Morgenland ihre Geschenke zu Hause gelassen hätte in der vermutung, dass Joseph ihr Geld womöglich in die nächste Kneipe tragen könnte. Was wäre, wenn die Ehrenamtlichen dieser Welt alle zu „Neinsagern“ ausgebildet worden wären, und keiner würde mehr Jasagen und Anpacken? Was wäre, wenn Eltern den Bleistift spitzten und zu dem Ergebnis kämen: Kinder können wir uns nicht leisten, zu teuer!

Der Mensch ist nicht zum Geschafft-Sein, sondern zum Schaffen berufen

In dem sehr lesenwerten Buch „Swing – Leben im Rhythmus der Schöpfung“ von Kerstin Hack (Down-on-earth-Verlag) habe ich eine
wunderbare Anregung gefunden, die ich in meinen Worten einmal so beschreiben möchte:

Normalerweise schreiben wir planenden, vielbeschäftigten Frauen das, was wir zu tun haben, auf eine „to-do-list“, die, je nach dem, was gerade anliegt, mehr oder weniger lang ausfällt. Und dann haken wir ab, was wir geschafft haben. Erledigt, fertig, das Nächste bitte. Du bist stolz auf Dein Tagewerk – aber manchmal schleicht sich das Gefühl ein, Du würdest nur noch funktionieren, wärest dazu da, ein Pensum abzuarbeiten.

Wie wäre es (so Kerstin Hack), wenn wir nicht durchstreichen würden, was wir erledigt haben, sondern wir würden einen grünen Textmarker nehmen? Grün steht für das Leben.

Und dann mache ich mir klar: Ich habe nicht nur zwei Stunden wie eine Wilde im Haus herumgerödelt mit Wischer, Staubtuch und Klobürste – nein, ich habe ein schönes, gemütliches Zuhause, einen angenehmen Lebensraum geschaffen für die Menschen, die mir am nächsten und liebsten sind.

Ich habe nicht nur einen Pflichtbesuch erledigt, nein, ich habe einem Menschen ein Licht in seinen Tag gebracht, habe ihn mit freundlichen Worten und einem Lächeln beschenkt, hab ihm das Leben lebenswerter gemacht, Hoffnungsfunken angezündet, mit Mut infiziert.

Ich habe nicht nur meine Zeit abgesessen bei einer Sitzung, nein, ich habe etwas eingebracht, damit Leben in unseren Landfrauenverein oder unsere Kirchengemeinde kommt, damit etwas wachsen kann.

Ich habe nicht nur small talk gehalten. als ich die Bekannte in der Stadt getroffen habe, ich habe an einem Band des Vertrauens gewebt, habe Türen geöffnet, kleine Ängste genommen, aufmerksam zugehört!

Ich habe nicht mal schnell etwas gekocht, zack, zack, nein, ich habe die Voraussetzung geschaffen für ein wichtiges Ereignis: dass wir an einem Tisch sitzen, zusammen gehören, Lebensqualität erfahren.

Dieser Gedanke, dass immer etwas wächst aus dem, was ich tue (oder nicht tue), der gefällt mir, er lässt mich anders ans Werk gehen, er setzt Kräfte frei. Es geht nicht um bloße Aktivität, es geht um Wachstum, um etwas, was in der Zukunft Früchte tragen wird (so oder so). Es geht darum, dass wir Menschen nicht zum Geschafft-Sein berufen sind, sondern zum Schaffen, zur Kreativität, als Mitarbeiter in Gottes Welt.

Ich wünsche uns gute Erfahrungen mit dem grünen Textmarker!

Wir tragen viele Masken

Beim Frauenfrühstück der Nikolai-Gemeinde in Rinteln war Dr. Margot Kempf-Synofzik, eine Ärztin aus Bremen, zu Gast. Sie referierte zum Thema „Wir tragen viele Masken“.

Was verbirgt sich hinter den Rollen, die wir spielen? Was verbirgt sich hinter den Masken aus Freundlichkeit, Coolness, Lächeln und Beherrschtsein? Was ist unser „wahres Ich“? Sind wir dann demaskiert, „erwischt“, bloßgestellt?

Oder geschieht ein Ehrlichwerden, ein Aufatmen – etwa so, wie es in dem Brief eines unbekannten Studenten in den 70er Jahren dargestellt wurde:

Bitte höre, was ich nicht sage…. Lass Dich nicht durch mein Gesicht täuschen, das ich mache. Denn ich trage Masken. Masken, die ich fürchte abzulegen….. So tun, als ob, ist eine Kunst, die mir zur zweiten Natur wurde…. Mein Äußeres mag sicher erscheinen, aber es ist meine Maske. Darunter bin ich, wie ich wirklich bin: verwirrt, in Furcht und – allein. Aber ich verberge das…. Ich habe Angst, dass ich tief drinnen in mir selbst nichts bin, nichts wert, und dass Du das siehst und mich abweisen wirst. So spiele ich mein Spiel, mein verzweifeltes Spiel: eine sichere Fassade außen und ein zitterndes Kind innen. Ich rede daher im gängigen Ton oberflächlichen Geschwätzes….Ich verabscheue dieses Versteckspiel, das ich da aufführe. … Nur Du kannst mich zum Leben rufen. Jedesmal, wenn Du freundlich und gut bist und mir Mut machst, jedesmal, wenn Du zu verstehen suchst, weil Du Dich wirklich um mich sorgst, bekommt mein Herz Flügel, sehr kleine Flügel, sehr brüchige Schwingen, aber Flügel!…. Ich möchte, dass Du das weißt. Ich möchte, dass Du weißt, wie wichtig Du für mich bist, wie sehr Du aus mir den Menschen machen kannst, der ich wirklich bin, wenn Du willst…. Du allein kannst die Wand niederreißen, hinter der ich zittere…..Ich wehre mich gegen das, wonach ich schreie. Aber man hat mir gesagt, dass Liebe stärker sei als jeder Schutzwall, und darauf hoffe ich.

Ja, wir Menschen haben Sehnsucht nach einem „wissenden Blick“, wir haben Sehnsucht, dass wir in unserem Versteckspiel entdeckt und daraus befreit werden. Manchmal muss man lange buddeln,um den Menschen, so, wie er wirklich ist, mit seiner Grandiosität und seinen Tragödien, zu verstehen.

Der Theologe Kurt Marti bittet, dass er einen „wissenden Blick“ bekommt, im Gegner den Bruder, im Süchtigen den Sehnsüchtigen, im Störer den Bettler zu finden.

Es gibt mutige Geständnisse, die das Leben verändern können. Es gibt viele Hemmungen, die unseren Beziehungen Tiefe und
Echtheit vorenthalten. Es gibt viele Blockaden, die einen Menschen hindern, das zu entfalten was in ihm steckt.

Wer möchte nicht von Liebe, von einem „wissenden Blick“ berührt werden – endlich aufhören mit Versteckspielen und Maskerade – endlich befreit aus der Angst, man könnte entdeckt werden!

Zu welchen Gästen gehöre ich?

Irgendwo sollte Hochzeit gefeiert werden. Die Brautleute hatten nicht viel Geld, aber dennoch waren sie der Meinung, dass viele Menschen mitfeiern sollten. Geteilte Freude ist doppelte Freude, dachten sie. Es sollte ein großes Fest werden, beschlossen sie, mit
vielen Gästen. Denn warum sollte unsere Freude nicht ansteckend sein, fragten sie sich. Es herrschte unter den Menschen ohnhein mehr Leid als Freude.

Also baten sie die Eingeladenen, je eine Flasche Wein mitzubringen. Am Eingang würde ein großes Fass stehen, in das sie ihren
Wein gießen konnten; und so sollte jeder die Gabe des anderen trinken und jeder mit jedem froh und ausgelassen sein.

Als nun das Fest eröffnet wurde, liefen die Kellner zu dem Fass und schöpften mit großen Löffeln daraus. Doch wie groß war das Erschrecken aller, als sie merkten, dass es nur Wasser war. Versteinert saßen sie da, als ihnen bewußt wurde, dass eben jeder gedacht hatte: Die eine Flasche Wasser, die ich hineingieße, wie niemand bemerken oder schmecken. Nun aber wußten sie, dass alle so gedacht hatten.

Jeder von ihnen war davon ausgegangen: Heute will ich mal auf Kosten der anderen feiern. Ein schlechtes Gewissen und Scham packte alle, nicht nur, weil es ledigich Wasser zu trinken gab. Als um Mitternacht das Flötenspiel verstummte, gingen alle schweigend nach hause, und jeder wußte: das Fest hatte nicht stattgefunden.

Dies ist ein bekannte chinesische Parabel. Sie geht mir nah. Ich frage mich manchmal: Habe ich dazu beigetragen, dass aus diesem Fest etwas wird, dass diese Begegnung gelingt? Habe ich alles Mögliche eingebracht, damit in meiner Familie, in meinem Verein, in meiner Kirchengemeinde das bunte, pralle Leben ist? Habe ich meinen Beitrag geleistet, damit wir in dieser Gesellschaft nicht ständig beim Jammern hängen bleiben, sondern mutige Schritte nach vorn wagen, Hoffnung aufblitzen lassen? Habe ich in meiner Ehe versucht, das Feuer der Liebe in Gang zu halten, damit es nicht vom Staub des Alltags ausgelöscht wird?

Alles, was ich von mir selbst vorenthalte, dass wird der Gemeinschaft, in der ich mich bewege, an Lebendigkeit fehlen. Ein enormer Anspruch! Ich bin verantwortlich, damit aus dem Leben um mich herum etwas wird, damit es gelingt! – Und wir können es gar nicht oft genug weitersagen, was John F. kennedy damals forderte: „Frag nicht immer, was der Staat für dich tun kann. Frag, was du für den Staat tun kannst!“ Frag, was du für deine Kirchengemeinde, für dein Dorf, für deinen Verein, für deine Familie tun kannst, damit es läuft, damit was daraus wird!!

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein

Dieses Lied von Reinhard Mey ist über 30 Jahre alt. Immer, wenn ich es höre, bringt es in mir etwas zum Schwingen. Es rührt die uralte Sehnsucht des Menschen nach Freiheit an.

Das, was mich unter Druck setzt und beschlagnahmt, das kann ich nicht abschaffen. Aber wie ich darauf reagiere, das hat ganz viel mit meiner inneren Einstellung zu tun, damit, ob ich innerlich frei bin oder nicht.

Dass Menschen ihre Erwartungen haben, dass sie mir manchmal, mehr als mir lieb ist, auf die Pelle rücken, das kann ich nicht ändern – aber wie weit ich darauf eingehe oder nicht eingehe, das hat etwas mit meiner inneren Freiheit oder Unfreiheit zu tun.

Wie ist das mit Liebe und Freiheit? Wie ist das, wenn ich an die Grenzen des Lebens stoße, wenn es schwer wird? Gibt es in allem, was um mich herum tobt, einen Freiraum, wo ich sagen kann: „Bis hierher und nicht weiter!“

Im Galaterbrief heißt es: „Zur Freiheit hat euch Christus berufen!“ – Wie gelingt es, diese Freiheit zu entdecken und zu leben? – Zu allen Zeiten sind Menschen für die Freiheit auf die Straße gegangen, haben dafür
gekämpft – und wir?