20. Dezember – Alle Jahre wieder

Foto: Pixabay – Murmeltier

Noch 4 Tage bis Heiligabend. Der Countdown für das große Fest läuft: Karten schreiben und zur Post bringen, im Brainstorming Ideen entwickeln für Last-Minute-Geschenke, die Kiste mit dem Tannenbaumschmuck vom Bodenraum holen, den Menüplan ausarbeiten, Einkaufslisten vorbereiten, Getränke besorgen, die eingegangenen Weihnachtskarten an einer Schnur im Wohnzimmer aufhängen …. Alle Jahre wieder!

Mein Mann schaut sich derzeit zum mindestens 12. Mal den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ an. Ein Reporter erlebt immer wieder den gleichen Tag. Alles wiederholt sich. Wie kommt er heraus aus der Schleife? Er entdeckt im immer Gleichen das Besondere. Er verändert sein Verhalten. Er begegnet der Liebe.

Wir werden auch in diesem Jahr „Alle Jahre wieder“ und „O du fröhliche“ singen. Es wird Raclette geben. Wir werden „Tutto“ spielen und jemanden bestimmen, der die Geschenke verteilen darf. Wie immer. Das Murmeltier lässt grüßen! Aber: Ich könnte mich in diesem Jahr noch mehr darüber freuen, dass wir zusammen sind. Ich könnte gelassener sein, die Kinder und Enkel mehr anstrahlen, ihnen zeigen, wie sehr ich sie liebe. Ich könnte über alles Unperfekte hinweglächeln und mich im Improvisieren üben, unserem Lebendigsein mehr Raum geben.

19. Dezember – Es ist ein Ros entsprungen

Ich werde sie nie vergessen: Schwester Irene, die mich bei drei Geburten als Hebamme begleitet hat. Den Rücken massieren, Mut machen, Geschichten erzählen, Geborgenheit schenken, übermenschliche Kräfte abrufen, ans richtige Atmen erinnern …. Und dann stand sie da mit meinem Mann und strahlte – und legte mir das Wunder des neuen Lebens auf den Bauch. Ein heiliger Moment!!

Sokrates (469 v.Chr. – 399 v.Chr.) war ein weiser Grieche. Seine außergewöhnliche Begabung war: Er konnte mit einer besonderen Art der Gesprächform aus einem Menschen etwas herauslocken, herauslieben. Gedanken und Einsichten, mit denen jemand schon lange schwanger ging, verhalf er ans Licht der Welt. Endlich traute sich jemand zu sagen, was er bis dahin für sich behalten hatte. Endlich packte jemand an, was er immer aufgeschoben hatte. Sokrates hat Menschen zugehört, befreit und ermutigt, nicht belehrt und bewertet. Manchmal war das eine schwere Geburt, aber die Freude danach war groß!

Sokrates nannte seinen Weg „Hebammenkunst“ („Mäeutik“). Als Sohn einer Hebamme liegt das nahe. Mir gefällt dieser Gedanke, aus einem Menschen das herauszulieben, was schon lange in ihm schlummert! Da wir kurz vor Weihnachten sind: Jesus stelle ich mir vor als einen Menschen, der die „Hebammenkunst“ beherrschte, der neues Leben zur Welt brachte!

Foto: Pixabay

18. Dezember – Fit für den Weihnachtsendspurt

In China wusste man schon vor 5000 Jahren, dass Ingwer eine Super-Knolle ist. Sie soll das Immunsystem stärken, bei Erschöpfung helfen und die Verdauung fördern. Alles gute Voraussetzungen für die letzten Tage vor Weihnachten. Hier das Rezept für einen Ingwer Shot: 3 Zitronen und 3 Orangen auspressen, 100 g Ingwer (reiben) , 50 ml Agavendicksaft, 1 TL Zimt, 1 MS Cayennepfeffer, 1-2 TL Kurkuma. Alles pürieren. Hält sich bis Heiligabend im Kühlschrank.

Es gibt ja noch einiges zu tun: Einkaufen, Gästebetten beziehen, alles schier machen, Karten schreiben, das Essen für 10 Personen planen, letzte Geschenke kaufen, Laub fegen vor dem Eingang, nett sein …..

Ich denke an die alte Landhebamme, die ich vor vielen Jahren getroffen habe. Ihr großer Motivationssatz hieß: „Mädchen, koch dich erst mal ’nen Kaffee!“ Dieser Satz ist grammatikalisch so falsch, dass ich ihn nie wieder vergessen habe. „Koch, dich erst mal ’nen Kaffee!“ Gönn dir erst mal eine kleine Pause. Unterbrich dein Tun für einen Moment, dein Rödeln und Grübeln, das, was dich unter Druck setzt. „Koch dich erst mal ’nen Kaffee!“ Geh eine halbe Stunde an die frische Luft, ruf eine Freundin an, hör Musik, blättere eine Zeitschrift durch – oder gib Gott eine Chance, in dir zu Wort zu kommen. Du wirst sehen: Nach der kleinen Auszeit kannst du mit neuen Gedanken und Kräften, in einer anderen Stimmung wieder ans Werk gehen.

Foto: Pixabay

17. Dezember – Brücken bauen

Autobahnbrücke A 2 bei Buchholz (Schaumburg)

Die Enkelkinder sind jedes Mal erstaunt, wenn wir die Geschichte erzählen: „Stellt euch vor, bei dieser Brücke hat euer Uropa mitgebaut!“ Uropa war damals 19 Jahre alt, als die Brücke vollendet wurde, 1939. Die Jahreszahl ist belegt. Da sind dann noch andere Geschichten zu erzählen….

Aber der Uropa war Brückenbauer! Brücken sind wichtig, um ein Tal, eine Straße, einen Fluss überqueren zu können. Brücken sind ebenso wichtig zwischen Menschen. Wer sagt das erste Wort? Wer ist in der Lage, auch mit denen zu reden, die anderer Meinung sind? Wer geht nach einem Streit wieder auf den anderen zu? Wer kann mit einem Lächeln Trennendes auflösen?

Unsere Welt braucht Brückenbauer! Mein Vater war einer, als junger Zimmermann. Wenn ich unter „seiner“ Brücke lang fahre, denke ich manchmal an ihn. Und ab und zu frage ich mich, ob und wie ich Brücken bauen kann. Vielleicht sollte ich erst einmal mit den kleinen, unscheinbaren beginnen, die ihren Sitz im normalen Miteinander haben.

16. Dezember – Alles hat seine Zeit

Fast 30 Jahre lang war ich mit großer Freude als Referentin unterwegs bei den LandFrauen. Von Schleswig bis Recklinghausen, von Stendal bis Bad Bentheim. Ich erinnere mich an viele wunderbare Begegnungen und Eindrücke, für die ich von Herzen dankbar bin.

LandFrauen sind taff. Sie sind der Weisheit des Lebens sehr nah, weil sie wissen: „Es geht durch unsere Hände, kommt aber her von Gott!“ Sie können unheimlich viel wuppen, und gleichzeitig spüren sie, dass alles Leben ein Geschenk ist. Ich schätze ihre Werte, ihre Bodenständigkeit und Lebenskompetenz, ihre Bildung und ihre Tatkraft. „Sie tun unserem Land gut“, sagte die Bundeskanzlerin einst!

Weil alles im Leben seine Zeit hat, verabschiede ich mich nun in den Ruhestand. Natürlich ist das wie eine Wechseldusche der Gefühle. So geschehen beim letzten Vortrag in Gronau. Der ist mir nicht leichtgefallen! Und dann? Die Frauen hatten sich etwas Originelles einfallen lassen: Es gab selbstgekochte Marmelade! Von jeder Frucht, die ich kenne, ist etwas dabei! Das wird reichen für 2024. Großartig!!

Sie haben mich reich beschenkt, die LandFrauen. Nicht nur in Gronau und mit Marmelade. Sie haben mich geprägt. Dafür sage ich allen herzlichen Dank!!!

15. Dezember – Gandhi in Hannover

Seit 8 Jahren steht er in der Nähe vom Maschpark: Gandhi, der große Kämpfer für Freiheit, Menschenrechte und Frieden. Warum steht er da? 2015 war Indien Partnerland der Hannover-Messe. Der indische Premierminister überreichte damals der Stadt Hannover die Statue des wohl berühmtesten Inders.

Rechtsanwalt war er, Pazifist, bei allem Widerstand gewaltfrei, Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung. Den Namen „Mahatma“ bekam er erst später: „Die große Seele“. Er suchte den Dialog, das, was eint! 1948 wurde er von einem fanatischen Hindu ermordet.

Ich verbinde mit Gandhi einen Satz, in dem ganz viel Potential steckt, ein Ansatz zur Weltveränderung: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ Veränderung beginnt bei uns selbst. Ich stell mir vor: Millionen Menschen machen sich auf den Weg, um das zu leben, was sie als richtig und wichtig erkannt haben! Er kommt, der neue Geist! Advent!

14. Dezember – Wärmeoasen für Leib und Seele

Für die kalten Füße liegen viele handgestrickte Strümpfe in der Schublade. Mutter hatte seinerzeit in jeder Woche zwei Paar geschafft. Der Nacken bekommt sein Kräuterkissen und die Körpermitte ihre Wärmflasche. Und wenn es draußen „knackig“ kalt ist, dann bitte ich den Mann an meiner Seite, den Ofen anzuheizen, damit es „muckelig“ wird. Wärme tut gut!

Die Kirchengemeinde St. Nikolai in Rinteln bietet in ihrer Sakristei jetzt 3 x in der Woche eine „Wärmeoase“ an. „Eingeladen ist jeder Mensch, der sich über einen warmen Ort und warme Gemeinschaft freut!“, wirbt Pastor Jörg Mosig, einer mit überraschenden Ideen. Das klingt gut. Ein heißes Getränk erwärmt zunächst Finger und Magen, dann kommt das andere dazu: Erzählen dürfen, einander zuhören und die Augen schauen, ein Lied singen, Nähe spüren, Worte genießen, die wohltun und trösten. Das erwärmt das Herz und alles umzu.

Ich könnte mich für den Gedanken erwärmen, auch in unserer Gesellschaft, im täglichen Miteinander Wärmeoasen zu schaffen und zu sein. Macht ihr mit?

13. Dezember – Raue Schale, wertvoller Kern

Foto: Pixabay

Das sind Aussichten: Walnüsse senken den Cholesterinspiegel, sind gut fürs Herz und fördern die Konzentrationsfähigkeit. Sie haben viele Vitamine und Proteine, stärken das Immunsystem und sorgen für eine gute Verdauung. Mehr geht nicht! Das kann ich alles gut gebrauchen!

Also nahm ich das Angebot der Freundin gerne an und sammelte unter ihrem stattlichen Baum jede Menge Walnüsse. Schnell war eine Kiste gefüllt, und mittlerweile sind die Nüsse getrocknet und zum Verzehr bereit. Es kann geknackt werden! Nicht mit Hammer und brachialer Gewalt, nicht mit dem scharfen Messer, wir nehmen den eleganten Weg mit einem feinen Gerät.

Beim Öffnen der Nüsse sind mir erstaunlich gute Gedanken gekommen: In diesem Jahr gab es manche Nuss zu knacken. Das war nicht immer leicht! – Bei manchen Menschen war ich überrascht: Hinter einer rauen Schale versteckte sich ein feiner Kern! – Es gehört wohl zur Lebenskunst, hinter der Außenseite das Verborgene, den eigentlichen Schatz zu entdecken.

Ich wünsche allen „Nussknackern“ spannende Entdeckungen.

12. Dezember – Sieh, das Gute liegt so nah

Es ist ein Kleinod, ein ganz besonderer Ort: Das Mausoleum in Bückeburg, 1916 erbaut als Begräbnisstätte des Fürstentums Schaumburg-Lippe. Der Raum spricht für sich. Du wirst still.

Das Kostbarste: Die Goldmosaikkuppel gilt als eine der größten in Europa. Mit 1400 verschiedenen Farbtönen! Ich bin überwältigt, immer wieder.

„Lehre uns bedenken, dass wir begrenzt sind, auf dass wir klug werden!“ Das ist eine Einladung, die kleinen und großen Momente des Lebens bewusst zu leben, zu genießen. Mancher Besucher wird das Mausoleum anders verlassen, als er es betreten hat. Einer sagte mir: „Ich bin gerne hier. Du bekommst ein Gespür für das, was im Leben wirklich zählt!“

Für alle, die so neugierig sind wie ich: Der Name ‚Mausoleum‘ kommt von dem persischen König Mausolus, für den seinerzeit um 350 v.Chr. ein 50 m hohes Grabmal errichtet wurde.

11. Dezember – Aus Liebe zum Menschen

Johann Hinrich Wichern gilt als Erfinder des Adventskranzes. Das war so: Im „Rauhen Haus“ in Hamburg hat er sich um Kinder gekümmert, die keine Familie hatten und Hilfe brauchten. In der Vorweihnachtszeit ließ er im Betsaal ein großes Holzrad aufhängen, auf dem für jeden Tag eine Kerze befestigt war. Vier weiße Kerzen für die Adventssonntage und dazwischen rote Kerzen für die Wochentage. Die Kinder wussten dann genau, wie lange sie noch warten mussten, bis endlich Weihnachten war. Und sie machten morgens bei der kleinen Andacht die Erfahrung, dass es jeden Tag etwas heller wurde!

Johann Hinrich Wichern gilt auch als Gründer der Diakonie. Glaube und Nächstenliebe gehörten für ihn untrennbar zusammen. Das war vor 175 Jahren. Der ZDF-Fernsehgottesdienst kam deshalb am 2. Advent aus der Evangelischen Stiftung Alsterdorf in Hamburg, die zur Diakonie gehört.

Zweierlei hat mich berührt: „Liebe“ darf nicht Bevormundung werden. Menschen möchten auch im Alter selbstbestimmt leben, soweit das möglich ist! Sie möchten nicht, dass Entscheidungen für sie getroffen werden, sondern gemeinsam mit ihnen!

Da war das Strahlen einer Seniorin, die gemeinsam mit ihrer Begleiterin (Lotsin) im Gottesdienst saß. Sie gehörte nicht zu den älteren Menschen, die „auf ihren Lebensgeschichten sitzen bleiben und vereinsamen“, sie hatte jemanden, die zuhörte, die Zeit für sie hatte, mit der sie lachen konnte. Das Strahlen in ihrem Gesicht, ihre Lebensfreude (nach einer bewegten Biografie) werde ich nicht so schnell vergessen. Danke für diesen Gottesdienst!