Licht in der Dunkelheit

Die Feier der Osternacht ist einer der schönsten Gottesdienste, die wir in der über 800 Jahre alten Katharinenkirche im Auetal feiern. Du erlebst, wie das Licht in die Dunkelheit scheint. Das berührt uns in diesen unruhigen Zeiten in besonderer Weise. Das hoffen, bitten und ersehnen wir jeden Tag.

Die Natur hilft uns, etwas zu erahnen, was unser Verstand nicht fassen kann: Wo du denkst, da wächst nichts mehr, bricht neues Leben hervor. Wo trockene Zweige waren, bricht das erste zarte Grün hervor. Es ist kaum zu fassen, was die Sonne jetzt alles wach küsst. Neues Leben nimmt Anlauf. Erstarrtes wird neu belebt. Das Frühlingserwachen rührt uns immer wieder an. Ob es uns diesem großen Geheimnis näher bringt, dass Gott Licht in die Dunkelheit der Welt schickt?

Zwischen den Jahren

Wer etwas Großes und Schönes erlebt hat, der möchte es nachklingen lassen. Es wäre schade, wenn er gleich zur Tagesordnung überginge, im Alltag landete, nachdem er etwas gespürt hat, was den Alltag übersteigt!

„Freut euch, denn euch ist heute der Heiland geboren!“ Wir brauchen Zeit und Ruhe, um im Inneren zu spüren, was Weihnachten für uns und unsere Welt bedeutet! Ich lese noch einmal die eingegangene Post und lasse die Worte auf mich wirken. Ich höre auf meine Gedanken und Gefühle – an den Festtagen schwirrte so viel anderes durch Kopf und Herz! Ich lese noch einmal – nur für mich – die vertraute Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium.

„Zwischen den Jahren“ ist eine besondere, eine heilige Zeit. Oma sagte, dass dann keine Wäsche gewaschen wird. – Ich könnte das Buch lesen, dass von Zuversicht erzählt. Ich könnte dafür sorgen, dass ich nicht mit Altlasten in ein neues Jahr gehen muss – und einige neuerworbene Kalorien könnte ich bestimmt noch loswerden.

Der Tannenbaum bleibt mindestens bis zum 6. Januar stehen, damit genug Zeit zum Nachfeiern ist, für „Tochter Zion“, „Maria durch ein Dornwald ging“ und das große „Halleluja“.

Ich möchte zumindest ahnen, dass Gott in die Welt kommt – mit diesem ganzen Kuddelmuddel, mit Krächen und Katastrophen, mit tausend Sorgen und Fragen – zu Menschen, die erschöpft sind. Ich möchte zumindest ansatzweise spüren, dass wir nicht allein unterwegs sind in diesem Leben!!

Katharinenkirche
Kathrinhagen

24. Dezember – Nicht fertig geworden

Vor einigen Jahren rief eine LandFrau an und sagte: „Wir hatten ein wunderschönes Weihnachtsfest! Am Heiligen Abend habe ich den Kindern und Enkeln jeweils einen selbstgestrickten Strumpf geschenkt! ‚Ich bin nicht fertig geworden!‘, habe ich ihnen gesagt. Da war ganz viel Anderes und Schönes. Ich hab’s nicht geschafft! Den zweiten Strumpf bekommt ihr im Januar oder Februar, wenn ich soweit bin! Und wir haben herrlich miteinander gelacht. Was für eine Leichtigkeit!“

Ich bin mal wieder nicht fertig geworden mit dem, was ich so gut vorhatte! Ich habe nicht alle Karten geschrieben, die ich schreiben wollte. Ich habe nicht alle angerufen, mit denen ich sprechen wollte. Aber gerade deshalb kann ich so wunderbar Weihnachten feiern und diesen Satz aufsaugen: „Freut euch, denn euch ist heute der Heiland geboren!“ Zu uns gerne großen Menschen kommt der gerne kleine Gott, um uns zu versöhnen mit unseren begrenzten Möglichkeiten und Kräften.

Ich bin nicht fertig geworden! Das gilt für Politiker und Virologen, für Lehrer, Pastoren und Ärzte, für PflegerInnen und Mütter. Das gilt für unsere Bemühungen in Sachen Klimaschutz, Frieden und Ehrenamt, für unsere Ideale. Das gilt für den Menschen ganz allgemein.

Am Heiligen Abend 2021 wünsche ich Ihnen diese Gelassenheit: „Freut euch, denn euch ist heute der Heiland geboren.“ Bei ihm sind unsere Welt, unsere Lieben und wir selbst gut aufgehoben – egal, was war, was ist und was kommen wird!

O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Welt ging verloren, Christ ist geboren: Freue dich, freue dich, o Christenheit. (EG 44, Vers 1)

Frohe Weihnachten und vielen Dank, dass uns der Seelenfutter-Adventskalender für vier Wochen verbunden hat. Bleiben Sie gut behütet.

23. Dezember – „Himmlische Impfaktion“

Die Münsterkirche in Hameln hat immer eine offene Tür und eine Atmosphäre, in der man sich gut aufgehoben weiß. Gestern war die Tür geöffnet für eine „Himmlische Impfaktion“. Alle, die sich noch kurz vor Weihnachten impfen lassen wollten, wurden herzlich empfangen.

Es gab stimmungsvolle Musik , freundliche Begleiter, Überraschungsgeschenke und manch gutes Gespräch. Auch über die Freiheit des Menschen, der sich so oder anders entscheiden kann – und gleichzeitig in die Verantwortung für die Gemeinschaft gestellt ist. – Wie lebendig die Kirche sein kann!

Die Gemeinde der Münsterkirche warb für die Impfaktion mit der Einladung, sich selbst und anderen ein Geschenk zu machen – und konnte dafür die Arztpraxis vom Posthof als Impfteam gewinnen.

Kein Wunder, dass viele die kleine Wartezeit nach der Impfung für einen Moment der Stille und Besinnung nutzten.

22. Dezember – „Sawubona“, „ich sehe dich

Heute kam ein wunderbarer Weihnachtsbrief! In der Anrede stand „Sawubona, liebe Heidrun“. Da sagt einer nicht „Hallo“, „Guten Tag“ oder „Moin“, sondern nimmt einen Gruß, mit dem man sich im Stamm der Zulu begrüßt. „Sawubona“ bedeutet: „Ich sehe dich“.

Dahinter steckt das, was wir heute Achtsamkeit und Wertschätzung nennen. Ich nehme dich wahr. Für einen Moment bin ich ganz bei dir. Ich schau dir in die Augen, achte auf deinen Tonfall und auf deine Haltung. In deinem Gesicht kann ich lesen, wie es dir geht. „Sawubona“: Ich sehe dich. Du bist mir wichtig! Das Gegenteil davon ist übersehen – und das fühlt sich für den, der übersehen wird, nicht gut an!

Genau wie der Briefschreiber werde ich jetzt nicht immer und überall „Sawubona“ sagen, wenn ich jemand treffe. Das könnte beim Bäcker, im Supermarkt oder im Gottesdienst zu Irritationen führen…. aber ich möchte diese Grundhaltung verinnerlichen, weil sie mir wichtig ist.

Bei allen „Meinungs-Verschiedenheiten“, die momentan manche Beziehung belasten, möchte ich Menschen verbunden bleiben, auch wenn sie anderer Ansicht sind als ich. Weihnachten hat Hirten und Könige, Flüchtlinge und Weise in ihrer Verschiedenheit miteinander verbunden. – Das steht auf meiner Wunschliste in diesem Jahr ganz oben, dass wir uns einander verbunden wissen und im Gespräch bleiben, nachfragen, warum jemand die Welt so sieht, wie er sie sieht.

„Sawubona“, du bist mir wertvoll, ich schätze dich! – Danke, lieber Jürgen, für deine Inspiration.

Adventsgesteck: Edda Watermann vom Blumenhaus Schulte in Rehren.

21. Dezember – … mitten im kalten Winter

Heute ist Winteranfang. Das Thermometer zeigte in der Nacht minus 5 Grad an. Der Gartenboden ist gefroren. Mittendrin blüht eine Christrose! Tapfer steht sie da, während alles andere wie erstorben scheint. Sie macht Hoffnung, dass Unmögliches möglich ist. Die zarte Blume trotzt dem Eis und allen widrigen Umständen.

Was ich erst jetzt gelernt habe: Schon im Altertum wussten Menschen etwas von den Heilkräften der Christrose. Sie soll z.B. bei Melancholie und Schwäche geholfen haben. Natürlich stark verdünnt, weil sie von Haus aus sehr giftig ist. – Gegen Melancholie hilft sie bis heute, indem sie unser Herz erfreut mit ihrer Resilienz.

Der Christrose verdanken wir eines der schönsten Weihnachtslieder. „Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart, wie uns die Alten sungen, von Jesse kam die Art und hat ein Blümlein bracht mitten im kalten Winter wohl zu der halben Nacht.“

Voller Poesie wird hier besungen, dass Jesus Christus als zartes, kleines Kind in diese Welt kam – und gleichzeitig Licht, Wahrheit, Hoffnung und Liebe gebracht hat. „Das Blümelein so kleine, das duftet uns so süß, mit seinem hellen Scheine vertreibt’s die Finsternis. Wahr‘ Mensch und wahrer Gott, hilft uns aus allem Leide, rettet von Sünd und Tod.“

Foto: Pixabay

20. Dezember – Sterntaler

Im Advent ist Zeit für Geschichten, die wie Balsam für die Seele sind. Für mich gehört das Märchen vom Sterntaler dazu. Eine Mädchen ohne Eltern und ohne ein Zuhause packt das Wenige, was es hat, zusammen und macht sich auf den Weg. Obwohl es selbst arm ist, lässt es sich von der Not anderer anrühren und verschenkt, was es hat – bis auf das letzte Hemd.

Von dem, was wir anderen schenken und sind, wird nicht bei „Menschen, Bilder, Emotionen“ berichtet, aber dass wir uns verausgaben, das kennen wir auch. Wir geben mehr, als wir an innerer und äußerer Kraft zur Verfügung haben. – Und dann? Im Märchen heißt es: „Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel und waren lauter blanke Taler!“

Wer viel schenkt, braucht gute Quellen, aus denen er schöpfen kann, damit er nicht so schnell erschöpft ist. Daran hat mich die hölzerne Darstellung von Sterntaler erinnert, die vor dem Salon meiner Lieblingsfriseurin steht.

19. Dezember – Das „Sonnen-Vitamin“

Ganz am Anfang, als die Welt entstand,
schuf Gott das Licht
als Grundlage allen Lebens.
Ohne Licht geht es nicht!

Untersuchungen haben ergeben,
dass viele Menschen zu wenig Vitamin D haben, das „Sonnen-Vitamin“.
Ihr Immunsystem ist angeschlagen.
Sie sind anfällig für Krankheiten, blass, müde und antriebslos.

Also, raus an die frische Luft, bei jedem Wetter,
damit wir ausreichend Licht und Sauerstoff tanken können.

Die Seele braucht das Licht ebenso wie unser Körper,
gerade in den dunklen Monaten.
Gute Musik, ein wertvolles Buch, Gespräche mit Freundinnen, Waldbaden, Nordic Walken, Kerzenschein, Singen, gemeinsames Essen … all das sind Lichtquellen.

„Ich bin das Licht der Welt“, sagt der, dessen Geburt wir in 5 Tagen feiern.
Bei ihm können wir „Licht-Baden“ und Nachschub holen
an Durchhaltekraft, Kreativität und Trost,
an Mut, weitem Horizont, Vertrauen und Hoffnung. Mag sein, dass die Kerzen am Tannenbaum uns daran erinnern sollen.

Foto: Pixabay

18. Dezember – Mit dem Herzen schenken

Rainer Maria Rilke ging in der Zeit seines Pariser Aufenthaltes regelmäßig über einen Platz, an dem eine Bettlerin saß, die um etwas Geld anhielt. Ohne je aufzublicken, ohne ein Zeichen des Bittens oder Denkens zu äußern, saß die Frau immer am gleichen Ort. Rilke gab nie etwas, seine französische Begleiterin warf ihr häufig ein Geldstück hin.

Eines Tages fragte die Französin verwundert, warum er ihr nichts gebe. Rilke antwortete: „Wir müssten ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand.“

Wenige Tage später brachte Rilke eine eben aufgeblühte weiße Rose mit, legte sie in die offene, abgezehrte Hand der Bettlerin und wollte weitergehen. Da geschah das Unerwartete: Die Bettlerin blickte auf, sah den Geber, erhob sich mühsam von der Erde, tastete nach der Hand des fremden Mannes, küsste sie und ging mit der Rose davon.

Eine Woche lang war die Alte verschwunden, der Platz, an dem sie vorher gesessen hatte, blieb leer. Nach acht Tagen saß sie plötzlich wieder an der gewohnten Stelle. Sie war stumm wie damals, wiederum nur wieder ihre Bedürftigkeit zeigend durch die ausgestreckte Hand. „Aber wovon hat sie denn in all den Tagen gelebt?“ fragte die Französin. Rilke antwortete: „Von der Rose…“

(falls jemand den Verfasser der Geschichte kennt, bin ich für einen Hinweis dankbar)

Foto: Pixabay

17. Dezember – Wer nach allen Seiten offen ist, der ist nicht ganz dicht

Nachdem ich an zwei Abenden hintereinander bei einem Besuch mein Handy vergessen habe, werde ich nachdenklich. Was ist da los? Sind die Tage zu voll? Ist im Kopf zu viel gespeichert an Nachrichten, Wahrnehmungen und Denkerei? Ist das Pensum, das ich mir zumute, zu hoch?

Für solche Situationen habe ich in der Küche mein berühmtes Meditationsobjekt. Das ist der Durchschlag für die Nudeln und den Salat. Den stelle ich dann ganz feierlich auf den Tisch und meditiere folgenden Satz: „Wer nach allen Seiten offen ist wie dieser Durchschlag, der ist nicht ganz dicht!“

Dieser einfache Satz erinnert mich daran, dass keiner von uns allen und allem so gerecht werden kann, wie er das möchte, wie es seinen Idealen entspricht. Wir haben Grenzen!