17.12. – offen oder verschlossen?

Beim Blick auf die beiden Fenster in Bregenz frage ich mich: Welcher Typ Mensch bist du wohl, der offene oder der verschlossene? Mal der eine, mal der andere?

Ich setze mich gerne zu Menschen, die ich nicht kenne und freue mich über ihre Geschichten und Erfahrungen, über ihre Sicht aufs Leben. Ich bin offen für jene, die anders denken als ich. – Gleichzeitig kann ich gut nachvollziehen, wenn jemand lieber allein bleiben möchte mit seinen Gedanken und Gefühlen, wenn er sich zurückzieht in sich selbst, weil er verbittert, enttäuscht oder ängstlich ist.

Mit einem Taxifahrer aus Afghanistan ergibt sich in 15 Minuten ein intensives Gespräch über Gott und die Welt. Als Christin besuche ich eine Synagoge und eine Moschee, um etwas über den Glauben der Juden und des Islam zu hören. Im Austausch mit denen, die anders denken und leben als ich, finde ich meistens auch das, was uns verbindet, einen gemeinsamen Nenner. Immer wieder bereichern mich Biografien von Menschen, die einen völlig anderen Lebenshintergrund haben als den mir bekannten.

„Das haben wir schon immer so gemacht!“, sagten wir bei uns zu Hause und im Dorf. Heute weiß ich: Veränderungen gehören zum Leben. Früher war nicht alles besser. Alles hat seine Zeit – und wenn es gut geht, haben uns die gesammelten Erfahrungen klüger gemacht. Mit 70 siehst du manches anders als mit 40! Und gleichzeitig ist da das Unerschütterliche, das Ewige, das zu allen Zeiten fest steht, während vieles wackelt in der großen und unserer kleinen Welt

Die beiden Fenstern in Bregenz passen sehr gut zu einem der schönsten Adventslieder: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“.