3.12. – Flur-Geschichten

Die Kapelle im Klinikum Schaumburg ist ein guter Ort. Ich fühle mich aufgehoben mit meinen Gedanken, Fragen, Hoffnungen, mit dem, was den Körper und die Seele gerade überfordert. Die dicke Sandsteinmauer schenkt Lichtblicke. Hier finden wir Worte und Lieder, die trösten und Mut machen, eine Kraft, die größer ist als die, die wir selbst zur Verfügung haben. „Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“

Später: Ich sitze auf dem Flur. Ab und zu bleibt jemand stehen oder setzt sich zu mir. Wir haben viel Zeit und viele Geschichten. Geschichten von Alleinsein und Demenz, von schwierigen Familienverhältnissen, der Ungewissheit, wie es weitergehen wird. Geschichten von dem, was auf den Magen schlägt und an die Nieren geht, von allerlei Alltagssorgen und Sonntagswünschen.

Wie schön wäre es, wenn die Erfahrung in der Kapelle ihre heilende Kraft entfaltet in den Flur-Geschichten des Lebens, in dem, was Menschen bewegt, was sie zu tragen und zu ertragen haben. Das Erzählen unserer Geschichten verbindet uns miteinander.