Kategorie: Adventskalender 2017

24. Dezember – In einem Stall hat alles angefangen

In einem Stall hat alles angefangen!
Kalt und dreckig wars.
Die Hygienevorschriften wurden nicht eingehalten.
Der Geruch des Mistes passte ganz und gar nicht zu dem dem weltbewegenden Moment,
als Gott Mensch wurde.

Genau dieses Bild vom Stall tröstet.
Gott kommt in unsere Mühe und unseren Mist, in die Ecken, die nicht aufgeräumt sind,
an die Stellen, wo wir einen Knacks bekommen haben,
wo uns etwas fehlt.
Er kommt in unsere Traurigkeit, in die Kälte, die uns umgibt,
in alles Heile-Welt-Theater.

„Euch ist heute der Heiland geboren“.
Das gilt!
Wir müssen uns nicht mehr übelnehmen, dass wir nicht perfekt sind,
dass auch in diesem Jahr nicht alles harmonisch ist um uns herum
und in unserer Welt.

Ich wünsche Ihnen ein bewegendes, gesegnetes Weihnachtsfest
und viel Gutes im Jahr 2018.
Herzlichen Dank für alles Miteinander.

Ihre Heidrun Kuhlmann

23. Dezember – Nach Hause kommen

Zwei Söhne sind schon angereist. Der eine mit seiner Familie aus Schweden,
der andere aus Köln.
Die langen Wege haben sie gerne in Kauf genommen.
Weihnachten möchten sie zu Hause sein, da, wo der Zauber vergangener Tage lebt.
„Driving home for Christmas“ höre ich im Radio, während ich das Mittagessen zubereite.
Wie schön, dass sie da sind.

Ist ja klar: Sie haben einen Haustürschlüssel,
und wissen, wo sie hingehören und aufgehoben sind, mit allem, was sie mitbringen.
„Herrlich, es duftet nach zu Hause“, sagt der Große.
„Wann kommen denn die Schwestern?“

Und dann geht es los: Sie erzählen sich Geschichten von „früher“.
Im Wohnzimmer hängt die Leine, an der alle Weihnachtskarten aufgehängt werden,
wie „früher“.
Der Herrnhuter Stern leuchtet, wie „früher“.
Natürlich gibt es ihre Lieblingsgerichte: Kartoffelsalat am Heiligabend,
Hochzeitssuppe, Grünkohl, Filettopf ….
Interessiert fragen sie: „Wie geht es denn…?“
Zu Hause, das sind Menschen, mit denen sie etwas verbindet.

Weihnachten ist die Sehnsucht nach einem Zuhause.
Menschen möchten wissen, wo sie hingehören, mit allem, was ist und was fehlt.
Und es ist wohl das größte Geschenk,
was wir zu Weihnachten bekommen können: Wir haben ein Zuhause bei Gott,
egal, wie es in unserem Leben gerade aussieht!

22. Dezember – aufgedeckt

Die Schaumburger LandFrauen haben ein Kochbuch herausgegeben.
Eines, das im modernen Layout daherkommt,
mit pfiffigen Ideen für die junge, leichte Küche.

Die Rezepte sind nach Jahreszeiten geordnet.
Wir können also verwenden, was gerade Saison hat.
Und, was auch sehr wichtig ist: Alle Rezepte sind schnell und einfach
zuzubereiten.

Hier einige Leckermacher für den Winter, vielleicht für das Weihnachtsmenü:
Schweinefilet mit Walnussfüllung, Entenbrust mit Orangen-Schalotten,
Rote-Zwiebelmarmelade, Weiße-Schokladen-Spekulatius-Creme, Apfelbrot….
Und für die jungen Leute den „Winter Schaumburger“.
Haben Sie Appetit bekommen?

Mit dem „Schwedenbecher“ können wir uns und unsere Lieben verwöhnen:
Zutaten: 2-3 EL Apfelmus, 4 Kugeln Vanilleeis, 125 ml Sahne, Eierlikör,
gehackte Nüsse.
Sahne steif schlagen. In einer Pfanne Nüsse rösten.
Eis, Apfelmus und Sahne dekorativ in einer Schale abwechselnd schichten.
Zum Schluss Eierlikör und die gerösteten Nüsse darüber verteilen.

Ein herzliches Dankeschön an alle, die an dem Kochbuch mitgewirkt haben.
Chapeau!

Wer noch ein Geschenk zum Fest braucht oder sich selbst etwas Gutes gönnen möchte,
hier können Sie das Buch mit dem originellen Titel „aufgedeckt“ bestellen:
www.landfrauen-schaumburg.de

21. Dezember – Die Kerze auf der Fensterbank

Im Sauerland gibt es die Tradition, dass man für Menschen, denen man in besonderer
Weise verbunden ist, eine Kerze auf die Fensterbank stellt und an sie denkt.
Ein Drechslerfreund meines Mannes, der im Sauerland wohnt, hat uns von dieser Tradition erzählt.
Er schrieb, er habe in seiner Werkstatt eine Kerze für uns aufgestellt.
Das hat uns sehr berührt, in einer Zeit, in der wir großen Kummer hatten.

Aneinander denken, miteinander verbunden sein, einander Gutes wünschen, füreinander beten, darin steckt eine große Kraft.

Wir vertrauen Menschen, die außerhalb unserer Reichweite und unserer
Einflussmöglichkeiten sind, Gott an.
Zum Beispiel unsere kleinen und großen Kinder, unsere Freunde.

1989 haben Gebete und Gedanken wesentlich dazu beigetragen,
dass die Mauer in Berlin gefallen ist.
Im damaligen Staatsrat der DDR hat man gesagt:
Mit allem hatten wir gerechnet, aber nicht mit Gebeten und Kerzen.

Wir feiern Weihnachten nicht in einer heilen Welt.
Ich stelle mir vor, viele Menschen würden eine Kerze aufstellen und ihre guten
Gedanken und Gebete auf Reisen schicken,
für ihr persönliches Umfeld, bis zu denen, die Verantwortung tragen in Berlin,
Paris, Washington, Moskau, Ankara, Jerusalem, Pjöngjang und Peking.

20. Dezember – Mir fehlen die Worte

Ich saß am Schreibtisch mit einem Stapel Weihnachtskarten
und dachte an Tim Bendzko.
In einem Lied singt er: „Mir fehlen die Worte, ich hab die Worte nicht,
dir zu sagen, was ich fühl….“

Ich möchte dem Empfänger der Karte sagen,
was mich bewegt, wenn ich an ihn denke,
was ich an ihm schätze,
was ich ihm jenseits aller Floskeln wünsche,
wie mir zumute ist zu Weihnachten 2017.
Aber wie?

Wie sage ich,
dass ich uns in diesen Tagen Licht von Gott wünsche,
damit es hell wird in uns und durch uns?
Ist das nicht eine Nummer zu groß?
Wie sage ich,
dass der Himmel die Erde berührt zu Weihnachten,
mit seinem Geist und seiner Kraft – auch heute, auch uns?
Wie sage ich,
dass wir nicht allein sind auf den Wegen unseres Lebens –
wo ich doch weiß, wie die Wege des Empfängers meiner Karte gerade aussehen?

„Mir fehlen die Worte, ich hab die Worte nicht“.
Und nun?
Ich rufe an – und komme „wie gerufen“.
Die Worte sprudeln.
Wir sind einander sehr nah,
sprechen über Kummer und Hoffnung, über Schönes und Trauriges.
Die vertraute Stimme tut gut.
Wer weiß, was da von ganz oben gefügt worden ist.

Auf der Karte hätte gestanden „Frohes Fest“.
Wir hatten uns mehr zu sagen, viel mehr
und das war wunderschön.

19. Dezember – Wo Sterne funkeln

Das Stift Fischbeck, über 100 Jahre alt, hatte zu einer abendlichen Führung eingeladen.
„Wo Sterne funkeln“.
Mit einer Laterne in der Hand ging es auf eine Zeitreise ins 13. Jahrhundert,
zu Helmburgis, der Gründerin,
zu den Frauen, die in jener Epoche im Stift lebten
und unter dem Schutz von König Otto I. standen.

Noch nie habe ich den dreiflügeligen Kreuzgang so heimelig und romantisch empfunden wie an jenem Abend,
nur mit Windlichtern beleuchtet.

Die Stiftskirche wirkte im Halbdunkel wie ein gewaltiger Schutzraum,
in dem man sicher ist, egal, was in der Welt tobt.
„Ein feste Burg ist unser Gott“.

Die Krypta ist mein Lieblingsort.
Auf dem Fenstersims sitzt ein kleiner weinender Engel.
Er stammt von einem Kindersarg der Schaumburger Grafen.

Die Engel! Die guten Mächte zwischen Himmel und Erde!
Wir möchten uns aufgehoben wissen bei Gott.
Und unsere Lieben auch. Gott möge uns schicken, was wir brauchen,
mögen trösten und mitweinen – wenn gerade jetzt Kummer und Tod alle
adventliche Freude, allen adventlichen Zauber in Frage stellt.
Heute vor einem Jahr war das schreckliche Attentat auf dem Berliner Weihnachtsmarkt
an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.

Die Sterne funkelten, als wir uns im Innenraum verabschiedeten.
Es gibt Momente, in denen sind wir dem Himmel besonders nahe.

18. Dezember – Vereinfachen

Es ist erstaunlich, was ein Lied auslösen kann.
Im Radio höre ich die Gruppe Silbermond. Es geht um ein Leben mit leichtem Gepäck,
um Ballast abwerfen, weil vieles gar nicht wichtig ist, was wir so wichtig nehmen.

In den Wochen vor dem Weihnachtsfest laufen viele auf Hochtouren.
Karten schreiben, mit kleinen Aufmerksamkeiten Freude bereiten, Kekse backen,
vorkochen, Gardinen waschen, Gästezimmer herrichten, Lebensmittel einkaufen,
dekorieren, Festmenüs planen, Tischwäsche zur Mangel bringen, Mistelzweige
aufhängen, den Keller aufräumen, Pakete rechtzeitig bei der Post abgeben,
beim Wochenmarkt eine Ente bestellen, alle anrufen,
bei denen ich mich lange nicht gemeldet habe, noch schnell alles erledigen,
was ich nicht mit ins neue Jahr nehmen möchte …

Uff. Wir packen uns viel auf zum Weihnachtsfest.
Von wegen „es reist sich besser mit leichtem Gepäck“.
Wunsch und Wirklichkeit klaffen derzeit weit auseinander.

Warum legen wir die Latte mit den Erwartungen an uns selbst immer so hoch?
Ist all das Gute, das wir mit Weihnachten verbinden, nur in vier Wochen im
Dezember möglich?
Oder bereiten Karten, die im Februar geschrieben werden, genauso viel Freude
wie die im Dezember geschriebenen?

Mein Mann sagt: „Halt den Ball flach,
überfrachte diese Zeit nicht mit irgendwelchen Wunschvorstellungen“.
Recht hat er!
Wenn Gott Mensch wird, dann nicht, um uns wer weiß was aufzupacken,
sondern um uns zu erleichtern und zu befreien.

17. Dezember – Lass uns reden

In manchen Gegenden gibt es den Brauch,
einem Paar zur Hochzeit eine besonders verzierte, kostbare Kerze zu schenken,
zusammen mit guten Wünschen.
Die Kerze bekommt einen Platz in der Wohnung, der gut einsehbar ist.

Das Besondere an der „Hochzeitskerze“:
Wenn es mal kriselt, wenn man sich aneinander gerieben hat,
wenn die Worte fehlen, dann soll einer der beiden Partner die Kerze anzünden,
damit der andere weiß: Lass uns reden. Nicht irgendwann, sonder so schnell
wie möglich. Der Segen hängt schief!
Lass uns reden über das, was uns verletzt hat und was wir vermissen.
Lass uns klären: Wie kann aus deiner Sicht der Dinge und meiner Sicht der Dinge
ein gemeinsamer Weg für uns werden.
Wo Funkstille ist, sagt einer das erlösende Wort.

„Sprechenden Menschen kann geholfen werden“.
Das ist ein goldener Satz. Nicht nur für die Ehe.

Wenn wir miteinander reden und aufeinander hören,
dann ist das die beste Voraussetzung für ein gelingendes, lebendiges Miteinander.

16. Dezember – Es ist, wie es ist

Es ist, wie es ist.
Bestimmte Dinge können wir nicht ändern,
die müssen wir so hinnehmen, wie sie sind.
Es lohnt nicht, dass wir uns aufregen, sperren, grübeln
oder mit dem Kopf durch die Wand wollen.
Es ist, wie es ist.

Gerdi ist 91.
Das Laufen fällt ihr schwer.
Sie sagt, sie habe manchmal „Pudding in den Beinen“.
Der Stock reicht nicht mehr aus, um ihr Halt zu geben.
Allen Ratgebern kam sie zuvor: „Ein Rollator kommt für mich nicht in Frage. Ich bitte dich.
Was sollen denn die Leute denken?“
Eines Tages, als die Alternative hieß: Beweglich sein oder zu Hause bleiben,
da hat sie schließlich eingewilligt. „Es ist, wie es ist!“
Aber wenn schon ein Rollator, dann ein „Rolls Royce unter seinesgleichen“.
Einen quietschgrünen hat sie sich ausgesucht.
Mittlerweile geht sie wie eine Königin mit ihrem rollenden Freund durch die Stadt.
„Es ist, wie es ist“.

Maria, die Mutter Jesu, hat Ja gesagt zu dem, was Gott mit ihr vorhatte,
zu einem Weg, der kein leichter war.
Sie hat sich eingelassen auf das, was war und auf sie zukam,
was ihr Leben völlig umkrempelte.
Unser „Es ist, wie es ist“ – oder „Isso“, wie die jungen Leute sagen,
wurde bei ihr zu der Einwilligung „Mir geschehe, wie du gesagt hast.“
(Lukas 1,38)

Das Einwilligen ist nicht leicht. Es mutet uns einiges zu.

15. Dezember – Ziegenbock-Erfahrungen

Es ist viele Jahre her.
Ein Mann kommt völlig erschöpft zu einem Rabbi: „Wir halten es zu Hause nicht mehr aus.
Mit sechs Personen wohnen wir in einem kleinen Raum. Du kannst dir nicht vorstellen,
wie eng und laut das ist!“
Der Rabbi fragt: „Hast du eine Ziege?“
„Ja, im Stall steht ein stattlicher Bock.“
„Gut, dann nimm den Bock mit in deine Hütte und komm in vier Tagen wieder.“

Nach vier Tagen kommt der Mann zum Rabbi und ist völlig fertig.
„Rabbi, es ist unerträglich. Der Bock stinkt zum Himmel!
Die Situation macht uns kaputt!“
Der Rabbi sagt: „Dann stell den Bock wieder in den Stall und komm morgen wieder.“
Als der Mann am nächsten Tag zum Rabbi kommt, strahlt er übers ganze Gesicht:
„Rabbi, alles ist gut. Kein Ziegenbock. Kein Gestank. Nur wir. Das Leben ist herrlich.
Wir genießen jede Stunde.“

Es wird immer etwas geben, über das wir schimpfen können,
über das wir uns beschweren können, das uns die gute Stimmung verdirbt –
und wenn es nur das Wetter ist.
Menschen mit „Ziegenbock-Erfahrungen“ wissen, dass man in Ausnahmesituationen,
wenn es mal ganz schlimm kommt,
das „Normale“ im Leben schätzen lernt, selbst, wenn es alles andere als
vollkommen ist.

Das „Normale“ im Leben schätzen lernen, das möchte ich heute versuchen.

P.S. Die Geschichte ist frei nacherzählt nach Axel Kühner: Überlebensgeschichten
für jeden Tag, S. 178