Kategorie: Adventskalender 2017

12. Dezember – Hoffnungszeichen

1984. Wir denken an den berühmten Roman von George Orwell, der einen totalitären Überwachungsstaat beschreibt. „Big brother is watching you“.
1984 wird Richard von Weizsäcker zum Bundespräsidenten gewählt.

1984 sitzt der irische Rockmusiker Bob Geldorf vor seinem Fernsehgerät und sieht eine Reportage über die Hungersnot in Äthiopien. Monatlich sterben dort 20 000 Kinder an den Folgen der Unterernährung.
Die Bilder der hungernden Kinder lassen ihn nicht mehr los. Es kann doch nicht sein, dass diese Kinder ohne Hilfe bleiben. Unmöglich, dass wir tatenlos zuschauen.
Zusammen mit einem anderen Musiker schreibt er das Lied „Do they know it’s christmas“. Den Erlös aus dem Verkauf spendet er für die Kinder Äthiopien.
Er ruft das Projekt „Band Aid“ ins Leben, um Geld gegen den Hunger in Äthiopien
zu sammeln. 1985 organisiert er das weltweite Konzert „Live Aid“.

Das Lied singt davon, dass es vor unserem Fenster noch eine andere Welt gibt,
eine Welt mit Angst, Leid und Problemen.
Wir möchten Hoffnung bringen für die Orte, die ohne Hoffnung sind,
für die Menschen, die ohne Hoffnung sind.

„Do they know it’s christmas“. Dieses Lied haben Musiker aus Kathrinhagen und Hülsende für ihr festliches Weihnachtskonzert in Bergkirchen einstudiert.
und damit ihr Repertoire mit „Highland Cathedral“, „Feliz Navidad“,
„Petersburger Schlittenfahrt“, The First Noel“…..um einen Schatz bereichert.
Sie haben damit angezeigt, was ihnen am Herzen liegt.
Es war mir eine Freude, diesen Abend zu moderieren,
an dem wir für den Hospizverein Schaumburg-Lippe gesammelt haben.

Bestimmt fällt uns in diesen Tagen jemand ein, der durch uns spüren könnte, dass Weihnachten ist,
dass es auch für ihn Frieden, Liebe, Freiheit und Hoffnung gibt.

11. Dezember – Wie ein Geschenk

Musik bringt im Menschen etwas zum Klingen.
So haben wir es erlebt in Bremen, im Konzerthaus „Die Glocke“.
LandFrauen aus ganz Niedersachsen waren zum festlichen Weihnachtskonzert von „musica viva“ angereist.

Die Bühne im großen Saal des Konzerthauses
war bis auf den letzten Platz gefüllt mit Orchester, Chorsängern und Solisten.

Dirigent Nicolas Hrudnik (Jahrgang 1968) führte charmant, kompetent und humorvoll durch das Programm.
Beim Abendsegen aus der Oper „Hänsel und Gretel“ kamen einigen Zuhörerinnen die Tränen: „Abends, will ich schlafen gehn, vierzehn Engel um mich stehn“.
Jemand sagte: „Wir müssen uns unserer Tränen nicht schämen.
Weinen ist wie innen feucht durchwischen! Das tut gut!“

Eindrucksvoll war ein Medley mit „Alle Jahre wieder“, „Macht hoch die Tür“
und „O du fröhliche“.
Wir erlebten die Premiere von bekannten Liedern in einem neuen Arrangement. Es war toll.

Nach der Pause las Nicolas Hrudnik die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium, untermalt wurde sie mit passenden Musikstücken von „Winter Wonderland“ bis zu „Stille Nacht, heilige Nacht“.

Zur letzten Zugabe „Feliz Navidad“ hätten wir tanzen mögen.
Der Besuch in der Bremer „Glocke“ war wie ein Geschenk.

10. Dezember – Menschenrechte

Heute ist der Internationale Tag der Menschenrechte.
Am 10. Dezember 1948 wurde die Erklärung der Menschenrechte
durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet.

Im Artikel 1 heißt es:
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.

Es gibt einen goldenen Satz in vielen Kulturen und Religionen:
„Behandle die Menschen so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest.“
Mit diesem Satz werden wir nie fertig.
Überlegen Sie mal, wie Sie von anderen Menschen behandelt werden möchten.
Da fällt Ihnen bestimmt ganz viel ein.

„Behandle die Menschen so, wie du von Ihnen behandelt werden möchtest.“
Das ist ein erstaunlich guter Beitrag zur Praxis der Menschenrechte.

9. Dezember – Abtauchen

In der Vita Sol Therme in Bad Salzuflen gibt es ein Becken mit einem extrem
hohen Salzgehalt.
Das reicht nicht an die 30 % im Toten Meer, aber für mich war es ein erstaunliches Erlebnis.
Du liegst schwerelos, lang ausgestreckt auf dem Wasser. Du schwebst.
Und jetzt kommt’s:
Du tauchst den Kopf soweit ins Wasser, dass die Ohren bedeckt sind.
Du tauchst ab!
Und unter dem Wasser hörst du Entspannungsmusik, bist eingetaucht in eine andere Welt.

Das ist wie Urlaub fürs Gehirn.
Nichts denken, kein Telefon, kein Signal der WhatsApp-Gruppe, kein „Kannste mal“,
kein Küchenradio, keine Nachrichten, nichts, worauf ich reagieren muss!

So fühlt es sich an, wenn wir die Schwere des Alltags für einen Moment hinter uns lassen.
Nun können wir nicht ständig in die Sole-Therme fahren,
aber 20 Minuten Stille vor einer Kerze haben auch schon etwas Heilsames.

Wenn ich soweit bin, dass ich nur noch abhake, funktioniere und erledige,
dann ist es höchste Zeit, einmal „abzutauchen“.

Der dänische Theologe Sören Kierkegaard sagte: „Wenn alles still ist,
geschieht am meisten!“

8. Dezember – Etwas Warmes braucht der Mensch

Der Weihnachtsmarkt in Hämelschenburg war etwas Besonderes, mit dem Besuch der kleinen Kirche, vor der Kulisse des Schlosses.
Gegen die Kälte gab es einen Glühwein.

Den Abend mit den Stadthäger LandFrauen in der Kirche von Pollhagen habe ich genossen.
Gegen die kalten Füße half ein leckerer Punsch.

Heute, nach der Beerdigung im kalten Wind, habe ich zu Hause eine heiße Suppe serviert.
Etwas Warmes braucht der Mensch, wenn es draußen nass, kalt und stürmisch ist,
wenn Nachrichten uns frösteln lassen.

Der warme Ofen tut gut, eine kuschelige Decke, das neue Buch von Christine Westermann „Manchmal ist es federleicht“, das Kerzenlicht.

Für alle, die eine leckere Suppe kochen möchten, hier ein Vorschlag:

Kürbissuppe

1 kleiner Hokkaidokürbis, in kleine Stücke geschnitten
2 Zwiebeln, gehackt
1 Liter Gemüsebrühe (später nach Bedarf ergänzen)
1 Knoblauchzehe
2 Möhren, in kleine Stücke geschnitten
1 Orange, gepresst
50 g Butter
1/8 Liter Sahne
frisch geriebener Ingwer, Curry, Kurkuma, Salz, Pfeffer, Muskatnuss

Kürbisstücke, Möhren, Zwiebeln und Knoblauch in Butter dünsten
Gemüsebrühe zugeben
Köcheln lassen
Pürieren
Würzen und Sahne hinzufügen
Mit Kürbisöl servieren

Ich wünsche Ihnen, dass Sie an Körper und Seele gut gewärmt sind!

7. Dezember – Meckerfreie Zone

Es war schon spät.
Beim Wort zum Sonntag stellte der Sprecher ein lila Armband vor
und warb für eine „Meckerfreie Zone“.
Die Idee kam aus Amerika. „Typisch!“, denke ich.

Die Spielregel:
21 Tage lang versuchen, ohne Meckern, Jammern, Kritisieren und Klatschen auszukommen.
21 Tage lang deshalb, weil man sagt, in 21 Tagen kann man eine Gewohnheit verändern. Nach 21 Tagen hat sich das Gehirn an neue Routinen gewöhnt.

„Eine originelle Idee“, war mein zweiter Eindruck, ein wertvoller Beitrag zu einem entspannten Miteinander, Hygiene für die eigene Seele!
Offen für Neues, wie ich nun mal bin, bestellte ich mir ein Armband und dachte: „Nichts leichter als das!“
Ich wurde eines Besseren belehrt.

Jetzt, in der Adventszeit, möchte ich das Projekt wiederbeleben.
Mehr das betonen, was uns eint, weniger das, was uns trennt.
Dankbar zu sein für das, was wir haben und weniger beklagen, was uns fehlt.
Den anderen so behandeln, wie wir selbst gern behandelt werden möchten.
Wer weiß! Ein Klimawandel beginnt mit kleinen Schritten.
Machen Sie mit?

6. Dezember – Freude schenken

Manche alten Legenden bleiben modern, auch im Zeitalter von Wikipedia und
Super-Elekronik. Sie sind einfach liebenswert.
Mit Begeisterung putzen Kinder ihre Stiefel, stellen sie vor die Tür und rechnen mit dem großen Unbekannten, der über Nacht Süßigkeiten oder andere Überraschungen einlegt.

Nikolaus war Bischof von Myra, in der heutigen Türkei.
Er verteilte sein Vermögen großzügig an Menschen, die Hilfe brauchten.
Einmal half er einem armen Mann,
der seine drei Töchter in die Prostitution schicken wollte.
In mehreren Nächten warf Nikolaus einen Goldklumpen durch das Fenster ins Haus Familie und bewahrte dadurch die Töchter vor einem schlimmen Schicksal.

Ich war nicht dabei, aber einer hat behauptet, das Gold sei in Stiefel gefallen,
die zum Trocknen unter dem Fenster gestanden haben.
Eine schöne Geschichte, die das Aufstellen der Stiefel am Nikolaustag erklären würde.

In Braunschweig hat ein Unbekannter vor einigen Jahren viel Gutes getan.
Anonym.
Er hat in der Zeitung von Notsituationen gelesen und dann großzügig Geld gespendet.
Für die Suppenküche, für ein Hospiz, für die Braunschweiger Tafel, für eine Schule,
für eine alte Frau, die Opfer von Trickbetrügern geworden war.
Es ist kaum zu glauben, aber ca. 260 000 Euro haben als „Wunder von Braunschweig“ viel Gutes bewirkt.

Auch ohne viel Geld können wir Freude schenken – womöglich sogar heimlich.
Eine wunderbare Idee zum Nikolaustag.
Das macht zweifach glücklich: Den Empfänger und den Geber!

5. Dezember – Ich lass Konfetti für dich regnen

Wir wohnen nahe der A 2, zwischen Lauenau und Bad Eilsen, wo es überdurchschnittlich viele Unfälle gibt.
Die Freiwillige Feuerwehr ist stark gefordert in diesem Bereich. Ihre Männer und Frauen haben schon viel geleistet und gesehen.
Eine gute Freundin gehört auch dazu, aus Überzeugung, weil sie gerne ein Mensch für andere ist.

Seit 1986 gibt es am 5. Dezember den Tag des Ehrenamtes.
Sie haben Wertschätzung verdient, die Mitarbeiter der Freiwilligen Feuerwehr, in den Vereinen und Kirchen, in Hospizgruppen und bei Amnesty International, beim Roten Kreuz, in Chören und bei der Betreuung von Familien aus Syrien und Afghanistan.
Unsere Gesellschaft wäre arm ohne das Ehrenamt, ohne Menschen, die sich engagieren und zu dem großen Netzwerk gehören, von dem gesagt wird:
„Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, dann wird sich das Gesicht der Erde verwandeln.“

Mark Forster hat eine Liebeserklärung geschrieben für einen Menschen, der ihm wichtig ist.
Er rollt ihm einen roten Teppich aus und lässt Konfetti für ihn regnen
und die Chöre singen für ihn…..
Ich stelle mir mit etwas Phantasie vor, dieser Mensch wäre einer, der sich ehrenamtlich engagiert. Jedenfalls hätte er Konfetti und einen roten Teppich verdient.

Wenn wir heute Abend einen Stiefel für den Nikolaus aufstellen, können wir überlegen,
dass Nikolaus, der Menschen viel Gutes geschenkt hat, ein wunderbares Vorbild für Ehrenamtliche ist.

4. Dezember – Mit und ohne Worte sprechen

Ein ganz entscheidender Bereich unseres Lebens ist die Sprache.
Wussten Sie schon, dass ein Mensch im Laufe seines Lebens ungefähr 450 000 Worte spricht?
Wie wir mit Menschen im Gespräch sind, das entscheidet darüber, wie unsere Beziehungen aussehen.
Sie wissen, wir können mit unseren Worte wohltun und wehtun.
Wir können jemanden aufblühen lassen mit dem, was wir sagen,
wir können ihn auch zutiefst verletzen und einschüchtern.
Wir können Nähe schaffen und Distanz.
Worte wirken.

Und jetzt kommt’s:
Wenn wir reden, dann wirken wir zu 50 % durch unser Äußeres, also wie wir aussehen, wie wir uns bewegen und gekleidet sind, wie wir den anderen anschauen und was unsere Gestik und Mimik verraten, auch dadurch, was über unser Leben bekannt ist.

Zu 38 % wirken wir dadurch, WIE wir etwas sagen, welchen Tonfall wir haben, welche Stimmlage, Betonung und Sprachmelodie, welche Sprechgeschwindigkeit und -lautstärke.
In der Stimme eines Menschen schwingt immer etwas mit aus seinem Inneren, darum ist sie ehrlicher als die Worte, die er wählt.

Es bleiben also nur noch 12 % für den Inhalt.
Ist das nicht verrückt? Mich überrascht das immer wieder!
Wie wir mit und ohne Worte sprechen, das entscheidet darüber, wie unsere Beziehungen zu den Menschen aussehen.
Das ist ein spannender Gedanke für unsere Begegnungen im Advent.

3. Dezember – Vorfreude

„Vorfreude ist die schönste Freude“, so heißt es im Volksmund.
Männer und Frauen freuen sich auf einen besonderen Urlaub, auf ein besonderes Fest.
Kleine Kinder fragen ganz hibbelig: „Wann ist es denn endlich soweit, dass ich Geburtstag habe?“

Wenn wir heute die erste Kerze auf dem Adventskranz anzünden, dann freuen wir uns auf das Weihnachtsfest mit all den schönen Ritualen, die für uns dazugehören.
Wir freuen uns auf den Tag, an dem die Familie zusammensitzen wird.
Wir hören Geschichten von dem, was einmal sein wird:
Schwerter werden zu Pflugscharen. Kein Volk wird sich mehr gegen das andere erheben. Lahme tanzen. Blinde sehen. Stumme können wieder sprechen. Wüsten werden blühen.
Wir bekommen Antworten auf die vielen Fragen, die uns hier und jetzt bedrängen.

Noch sieht die Welt anders aus.
Noch werden viele Tränen geweint.
Aber das, worauf wir uns freuen, schickt seine Strahlen schon voraus.

Ich habe einen Adventskalender mit 24 leeren Kästchen.
Jeden Abend schreibe ich drei Dinge auf, über die ich mich gefreut habe, für die ich dankbar bin.
Ich staune, wieviel Gutes in einem ganz normalen Tag stecken kann.

Es ruft jemand an, von dem ich schon lange nichts mehr gehört habe.
Der Mann kommt begeistert und zufrieden von einem Fotokurs nach Hause.
Der Flammkuchen ist gut gelungen.

Ich wünsche Ihnen Freude in dieser Adventszeit,
Freude an dem, was uns versprochen ist und Freude, die Sie jetzt und hier erleben.